Sonntag, 28. September 2008

4.18 Unterwegs – Kuala Lumpur (13.09. - 15.09.2008)

Schon bei meiner Ankunft in China hatte ich geplant gehabt ein Wochenende in Kuala Lumpur (KL) zu verbringen. Leider stieß mein Vorhaben auf wenig Gegenliebe bei meinen Freunden und so hatte ich den Plan erstmal begraben. Jetzt näherten wir uns aber unaufhörlich dem Mid-Autumn Festival und damit einem verlängerten Wochenende und da ich immer noch keine Pläne dafür hatte, habe ich den alten Gedanken wieder aufgegriffen. Am Montag habe ich mich deswegen mit Thomas zusammen vor den Computer gesetzt und wir haben Flug und Hotelangebote gewälzt und haben dann gebucht. Flug ab Shanghai am Samstagmorgen 10:15 und zurück ab KL um 01:40 am Montagmorgen. Witzigerweise hatten Stefan und Claudia eine ähnliche Abflugszeit für ihren Flug nach Singapore, so dass wir die Hinfahrt nach Shanghai gemeinsam planen konnten.
Nachdem wir gebucht hatten, haben wir auch gleich Zugticktes bestellt und dann kam der Schock: alle Züge, die in Frage kämen, ausgebucht. Da war guter Rat teuer, denn auch Busse kamen zeitlich nicht in Frage. Wir haben schließlich eine Möglichkeit gefunden: Taxi.
Wir sind also morgens um 3:30Uhr von einem Fahrer abgeholt worden, der uns wie versprochen um 7:00Uhr am Flughafen Pudong abgeliefert hat. Es war wirklich komfortable und die einzige Möglichkeit pünktlich zum Flieger zu kommen. Der Spaß hat für ca. 350 km glatte 120 Euro, also 30 Euro pro Person, gekostet. Nach Frühstück am Flughafen, einchecken und dem Gang durch die Sicherheitsschleuse (wenn man die Getränkeflasche ganz offen auf das Laufband legt, kann es sein, dass sie nicht bemerkt wird), einem kleinen Duty Free Einkauf konnten wir dann endlich boarden und haben nach 5 Stunden Flug ohne große Zwischenfälle KL erreicht.
In KL haben wir uns dann erstmal auf die Suche nach unserem Hotel gemacht. Da wir nicht wirklich eine Ahnung hatten, wo das denn liegen könnte, mussten wir uns bei einer Touristeninfo Rat holen, der uns aber auch bereitwillig gewährt wurde und in einem Englisch zum genießen, jedenfalls für unsere mit Chinglisch ramponierten Ohren. Um zum Hotel zu kommen, mussten/durften wir mit der Monorail fahren. Ist schon schön so über den Verkehr hinweg zu schweben. Irgendwann sind wir dann am Bintang Walk angekommen und nach kurzer Orientierung haben wir dann auch das Hotel gefunden. Zu unserer Überraschung haben wir ein Zimmer im obersten Stock bekommen, d.h. dem 21. Stock, mit einer schönen Aussicht (leider in die entgegengesetzte Richtung vom Stadtzentrum, aber egal. Wir sind gleich wieder aufgebrochen, um die nähere Umgebung zu erkunden. Der Sandro, ein Freund vom Peter Bormann, hat uns ein paar Tipps gegeben, wo wir abends hingehen könnten, aber bis dahin mussten wir die Zeit noch überbrücken. Also los. Erstmal was in einem Hawkerstore essen und danach die Jalan Bintang, auch bekannt als das „goldene Dreieck“, rauf und runter. Man muss schon sagen, in KL gibt es wirklich jede Menge Shopping Malls. Da wir aber nichts aufregendes, außer einem riesigen Baum, der in einer Seitenstraße stand, gefunden hatten, haben wir uns für den Abend fertig gemacht und sind dann zu den Petronas Twin Towers gelaufen.
Schon aus der Ferne sind diese beiden Türme, welche zu den höchsten 10 der Welt gehören, durch ihre strahlendweiße Beleuchtung zwischen den Hochhäusern hindurch zu sehen. Es ist wirklich sagenhaft, wie die leuchten und auch wenn man davor steht, kommt es einem irgendwie unwirklich vor. Nach einer ausgiebigen Fotosession mit allen möglichen Posen und Verrenkungen (auch beim fotografieren) sind wir dann weiter in die Luna Bar. Jedenfalls wollten wir das. Die Luna Bar ist in einem der obersten Stockwerke eines der Wolkenkratzer dort und war leider so überfüllt, dass die Leute schon bis zum Fahrstuhl anstanden, um überhaupt rein zu kommen. Daraufhin haben wir umgedreht und sind in die Partymeile von KL gegangen. Hier hat es uns das RumJungle angetan, von dem wir weiter ins Padi House gegangen sind. Irgendwann um halb 4 waren wir dann wieder im Hotel (merke, um die Zeit wurden wir am Vortag vom Taxi abgeholt). In KL kann man toll feiern gehen, auch wenn die Getränkepreise mit 4,50 Euro pro 0,33er Bier schon gesalzen waren, auch für europäische Verhältnisse. Trotzdem hat es super viel Spaß gemacht.
Am nächsten Morgen ging’s dann auch recht früh schon wieder weiter für, denn wir hatten ja nur noch den Tag Zeit zum Sightseeing. Und wie sieht man am schnellsten alles, was es zu sehen gibt: genau, mit dem Hop-on, Hop-off Sightseeingbus. Bevor hier losstarten konnten, hatten wir aber noch eine Verabredung mit Sandro, der uns Karten für die Skybridge, der Brücke zwischen den Twin Towers besorgt hatte. Nach einer halben Stunde des Wartens, die wir im Suria, einem riesigen Einkaufszentrum am Fuße der Türme verbracht hatten, tauchte Sandro pünktlich auf, gab uns die Karten und war dann auch schon wieder verschwunden. Wir hatten unsere Karten und haben uns erstmal im Besucherzentrum mit der Höhe der Türme vergleichen lassen. Ich bin genau 244-mal kleiner als die Türme. Dann ging es rauf auf die Brücke, von der ich mir etwas mehr erwartet hätte. Man hatte zwar einen ganz guten Überblick, aber das die jetzt so gehyped wird, naja. Wir hatten 10 Minuten Aufenthaltszeit und haben einige Fotos geschossen. Nachdem wir wieder unten waren haben wir uns auf den Sightseeingbus geschwungen und haben die Stadt umrundet.
Die Preisfrage für die Fahrt war eine Sache für sich, denn ich wollte der Verkäuferin, die uns auf der Straße angesprochen hatte, nicht glauben, dass das Ticket 38 Ringit kostet – in der Touriinfo haben sie mir 28 gesagt. Nachdem die Busbegleitung aber auch 38 verlangt hätte, habe ich dann nachgegeben. Und los ging die Fahrt…zuerst ging es in die Ecke des goldenen Dreiecks, die kannten wir ja schon, hatten also Zeit mal für 5 Minuten die Augen zuzumachen. Irgendwann erreichten wir dann die Station „Chinatown“, wir natürlich raus. Da wir ja China kennen, waren wir schon ein wenig gespannt, ob man das mit China vergleichen kann, oder nicht. Leider wurden wir enttäuscht. Chinatown ist nur eine große Fußgängerzone mit jeder Menge Ständen, die zu allem Überfluss auch noch mit Indern oder Malaien besetzt waren. Hatte mit China also mal gar nichts zu tun. Etwas Aufregendes ist uns dann doch noch passiert. Ich habe nach in einem Stand nach CDs gefragt und daraufhin ist der Shopbesitzer mit uns im Schlepptau durch kleine Gässchen gelaufen. Wir haben ein Parkhaus durchquert und sind durch irgendwelche Restaurants gelaufen. Zugegeben, mir war nicht wirklich wohl bei der Sache. Auf jeden Falls standen wir dann irgendwann in einem regulären Laden und konnten in Mappen die verschiedenen CD-Cover anschauen. Allerdings wollte er 8 Ringit (ca. 1,60 Euro) pro CD haben und das erschien mir etwas zuviel. Da er nicht mit sich handeln ließ und auch keine neueren CDs hatte, sind wir dann wieder gegangen und noch ein wenig durch die Fußgängerzone gestreift.
Wieder zurück im Bus hatten wir uns als nächstes Ziel den Vogelpark ausgesucht. Es soll der weltweit größte Park mit Freifluggehegen sein, aber soweit sind wir gar nicht gekommen. Wir sind ausgestiegen und wollten noch einen Blick auf das Nationaldenkmal von Malaysia werfen. Bei der Besichtigung zogen dunkle Wolken auf und es fing auf einmal heftig an zu regnen. Wir retteten uns in einen kleinen Kiosk, kauften Getränke und Snacks und hofften, dass der Regen bald wieder rum sein würde. Hier hatten wir uns getäuscht, denn nach 15 Minuten ging es erst richtig los und es goss in Strömen und blitze und donnerte um uns herum wie nichts Gutes. Krass. Irgendwann waren die Shopbesitzer abgeholt worden und nur die Ausländer saßen noch da auf Plastikstühlen und warteten auf besseres Wetter. Irgendwann schnappten wir uns Pappen und Plastiktüten und liefen durch den Regen zurück zur Busstation in der Hoffnung, dass weiterhin Busse fahren würden. Diesmal hatte es geklappt und wir wurden zwei Minuten nach eintreffen an der Station von einem Bus aufgegabelt.
Danach haben wir das Sightseeingprogramm abgebrochen, haben unsere Taschen aus dem Hotel geholt und sind noch ein schönes Steak essen gegangen. Mit der Monorail ging es dann zurück Richtung Flughafen und auf dem Rückflug nach Shanghai haben wir beide schlafend verbracht. Sobald die Anschnallzeichen aus waren und neben mir noch keiner saß, habe ich mir eine Viererbank geschnappt und das erste Mal an dem Wochenende richtig gut geschlafen.
In Shanghai hatten wir das Pech, das morgens um 07:00 noch kein Transrapid fährt und so mussten wir den Bus zum Bahnhof nehmen. Wir hatten noch Zeit bis zur Rückfahrt, also sind wir noch mal zum Stoffmarkt gefahren und haben bestellte Hemden abgeholt, bzw. das erste Fitting bei Anzügen gemacht. Auf dem Weg dorthin begegnete uns ein etwas verwirrter Ausländer, der sich dann als Deutscher rausstellte, welcher auch noch ein guter Freund meiner Informandenkollegin Christiane ist. Zufälle gibt’s. Er hat uns dann noch in die Einkaufsstraße Shanghais, die Nanjing Xi Lu, begleitet, wo wir mal bei den sog. Watchbags, Verkäufern von Uhren und Taschen (Watch & Bag) mitgegangen sind. Die haben uns in verschiedenste Geschäfte geschleppt, welche auf einmal verborgene Türen aufwiesen, hinter denen sich eine riesige Auswahl an „echten“ Uhren, Taschen, T-Shirts, ... verbarg. Leider konnten sie mir nicht die Uhr besorgen, nach der ich gesucht habe und so sind wir nach 4 dieser Geschäften erfolglos was essen gegangen und schließlich wieder nach Nanjing aufgebrochen.
Fazit der Reise: KL lohnt sich auf jeden Fall für einen Besuch von 3-4 Tagen. Man kann dort prima shoppen und feiern und auch der Sightseeing- du Kulturtrieb kann befriedigt werden. In Shanghai kann es sich durchaus lohnen sich mal die Sachen von den Watchbags anzuschauen, man kann bestimmt was Tolles dabei finden.

Montag, 22. September 2008

7.7 China live – Städte-Competition

In der letzten Zeit ist uns hier in Nanjing vermehrt aufgefallen, dass die ganzen kleinen Imbissbuden und Straßenstände verschwunden sind, dass sehr viele Polizisten auf den Kreuzungen stehen und den verkehr in geregelte Bahnen lenken, dass die Strassen sehr sauber sind und dass man ohne zu fragen beim Taxifahrer die fapiao – die Rechnung – bekommt. Aber woher kommt das auf einmal? Meine bevorzugte DVD-Bezugsquelle ist genauso weggefallen, wie die Versorgung mit dem leckersten Essen hier in China. Bei den Straßenständen isst man wirklich super gut und günstig.
Des Rätsels Lösung habe ich heute von meinem Chinesischlehrer erfahren. Und zwar haben wohl einige Städte im Zuge der Olympischen Spiele stark profitiert, vom Ambiente und auch aus touristischer Sicht. Das wollte die anderen chinesischen Großstädte nicht auf sich sitzen lassen und jetzt läuft gerade ein Wettbewerb, welche Städte zu den 10 sichersten, saubersten und „zivilisiertesten“ in China gehören. Da Nanjing sich wohl einen Platz innerhalb der Top10 auf die Fahnen geschrieben hat, wurden die obenbeschriebenen Aktionen eingeleitet, die Verkehrspolizei verstärkt und die Straßenstände von den Straßen entfernt. Des Weiteren wurden die Taxifahrer – unter Androhung eines lebenslangen Berufsverbotes – zu Freundlichkeit (Begrüßung und Verabschiedung) und Rechtschaffenheit (wenn keine Rechnung gedruckt wird, muss man in China auch keine Steuern abführen) gezwungen.
Tja, dass dadurch wahrscheinlich viele Existenzen auf Messers Schneide stehen interessiert wahrscheinlich in der Stadtregierung niemanden, der Ruf der Stadt ist wichtiger. Das ist mal wieder China live!

Donnerstag, 18. September 2008

10.2 Alltag – Sport

Ja, Sport gehörte irgendwie zum Alltag für mich in Deutschland. 3-mal die Woche Fußball, eventuell noch mal Badminton…
Hier ist das alles nicht so einfach. Da ich nicht der Frühaufsteher bin und somit nicht früh morgens zum Laufen komme (was ich sowieso nicht mag) musste ich hier nach Alternativen suchen. Abends oder am späten Nachmittag laufen zu gehen oder generell Sport an der „frischen“ Luft zu begehen, schließt sich durch die „frische“ der hier ansässigen Luft definitiv aus. Da kann man sich auch gleich hinter einen Auspuff klemmen und den Dreck direkt einatmen.
Ergo habe ich mir ein Fitnessstudio hier in der Nähe gesucht und mir dort eine 20er Karte besorgt. Mit dieser Karte komme ich momentan ganz gut zurecht, denn ich kann ja gehen, wann immer ich will und wenn die Karte ausläuft, dann kauf ich mir eben eine Neue.
Das Fitnessstudio ist relativ gut ausgestattet mit den neuesten Geräten, vielen Gewichten und Hanteln und es laufen auch viele Trainer hier durch die Gegend. Des Weiteren gibt es ein ganzes Stockwerk voller Ausdauergeräte, einen Spinningraum und noch eine kleine Turnhalle, in der Kurse abgehalten werden. Auch die Angestellten und Trainer sind sehr nett und korrigieren einen (wenn sie wissen, dass derjenige korrigiert werden möchte) auch, wenn sie Fehler in der Sitzhaltung bemerken. Leider sprechen die nicht viel Englisch.
Das ganze könnte also ganz toll sein, wenn in dem Laden nicht ausschließlich Chinesen verkehren würden. Dadurch verändert sich nämlich einiges:
1. die einzigen, die bei der Gerätebenutzung ein Handtuch unterlegen, sind wir Deutschen. Das ist auch notwendig, denn wer will sich schon in den Schweißfleck des Vorgängers legen?
2. In den Umkleideräumen der Männer sind Ventilatoren aufgestellt. Ich dachte immer, dass diese die schlechte Lüftung dort ausgleichen sollen, habe jetzt aber den echten Grund für die Anwesenheit der Ventilatoren entdeckt. Als Chinese muss man nicht unbedingt ei Handtuch mitnehmen, wenn man vorhat nach dem Sport zu duschen. Man kann sich ja auch von den Ventilatoren und den ausliegenden Fönen trocknen lassen.
3. Ich habe das Gefühl, dass Chinesen dazu neigen sich zu überschätzen oder mit aller Macht Muskeln aufbauen zu wollen. Die ganze Zeit hört man großes Geschrei, wenn die teilweise echt schmächtigen Kerle versuchen Gewichte zu drücken/ziehen/heben/bewegen, die einfach mal mindestens 20kg zu schwer für sie sind. Aber die Trainer helfen Ihnen schon dabei zu dem Erfolgserlebnis zu kommen
4. Chinesen, speziell Chinesinnen, gehen gerne auf den Laufbändern. Richtig! Die gehen auf den Bändern gerne spazieren, denn mehr machen die da nicht. Gemütlich eine halbe Stunde spazieren gehen, dabei mit dem Handy telefonieren und bloß nicht schwitzen.
5. Aus sicherer Quelle weiß ich, dass Chinesinnen grundsätzlich in Unterwäsche duschen gehen…was sie wohl zu verbergen haben?!? Auf jeden Fall kann es nicht viel sein ;-)
6. Wenn man wie ich einen Reisepass, den Perso und den Führerschein dabei hat, kann man dreimal ein kostenloses Probetraining absolvieren, ohne dass es auffällt.
Soweit ein paar Anekdoten aus den chinesischen Mukkibuden, den Plätzen, wo ich mich wenigstens ein wenig sportlich bewegen kann.

Mittwoch, 17. September 2008

2.4 Wohnen in China – Klimaanlagenreparatur

Wie schon berichtet war meine Klimaanlage nicht die leiseste und jetzt, da ich neue Nachbarn bekommen habe, musste der Geräuschpegel eingedämmt werden. Bei einer ersten Begehung ist dem Techniker und meinem Vermieter auch aufgefallen, dass die ganze Konstruktion, auf der die Klimaanlage steht eine eher wackelige Angelegenheit ist. Auf einmal musste alles ganz schnell gehen (ich meine, die Anlage steht da jetzt schon bestimmt 3 Jahre und auf einmal hat man ein Sicherheitsrisiko).
Gestern war es dann soweit, die Klimaanlage wurde versetzt. Sie wurde auf einen vorher gegossenen Betonblock gestellt, der sich auf dem Boden, neben dem Badezimmerfenster des Nachbars befindet. Hoffentlich fühlt er sich nicht bald beim Duschen belästigt ;-)
Auf jeden Fall dauerte die ganze Aktion 5 Stunden und es haben 4 Handwerker daran mitgeholfen, die wirklich schwere Anlage aus dem 2. Stock auf den Boden zu bringen, danach wurden noch alle Anschlüsse wieder angeschlossen und die Klimaanlage funktioniert sogar. Das Haus sieht mit dem langen Schlauch zwar nicht wirklich besser aus, aber alle Probleme wurden erst einmal beseitigt.

Montag, 15. September 2008

9.3 Sprache – Lehrer

Damit ich mit meinen Sprachfähigkeiten noch weiter vorankomme, habe ich mich entschlossen einen Sprachlehrer zuzulegen. Ich habe also unsere Sekretärin darauf angesprochen und sie konnte mich gleich weitervermitteln. Seitdem kommt zweimal die Woche Mr. Xu (sprich Chü) vorbei und bringt mir bei, wie ich mich in Alltagssituationen ausdrücken muss. Es macht echt Spaß, zumal er auch auf meinen Wunsch nach praktischen Stunden nachkommt. Meiner Vorstellung nach muss ich das, was ich gelernt habe, auch gleich anwenden. Somit sind wir schon einmal gemeinsam zur Fußmassage gegangen und nächsten Donnerstag gehen wir ins Restaurant. Insgesamt bin ich sehr zufrieden und damit sind auch die vergleichsweise sehr teuren 100 RMB die Stunde mehr als gerechtfertigt.

Freitag, 12. September 2008

7.6.2 China live – Problemlösung auf Chinesisch Part 2

Von einer Kollegin von mir ist die Waschmaschine kaputt gegangen und die Küche lief schon voller Wasser. Nachdem sie das Problem mit dem Wasser in der Küche in der Firma gemeldet hatte, bekam sie folgende Aussage zu hören: „Hast du denn den Wasserhahn schon zugedreht, dann hast du auch kein Wasser mehr in der Küche!“ Soweit gar nicht schlecht überlegt, das offensichtliche Problem wäre damit gelöst…dass man dann aber auch nicht mehr waschen kann, daran denkt keiner. Hier sieht man immer nur die offensichtlichen Probleme und löst die, keiner denkt mal weiter.
Eine tolle Problemlösung á la China live

4.17 Unterwegs – Tongli (07.09.2008)

Diesmal haben Thomas, Claudia, Simon und ich uns auf den Weg gemacht, um uns den historischen Kern der kleinen Stadt Tongli in der Nähe von Suzhou anzusehen. Tongli ist eine Stadt, die sich ihr ursprüngliches Stadtbild, das einer Kanalstadt, zumindest in einem Viertel noch erhalten hat.
Wir sind also morgens aufgebrochen und haben um elf endlich Suzhou erreicht. Von hier aus sollte uns ein Zug nach Tongli bringen. Nachdem wir den Busbahnhof dafür gefunden hatten und uns auch schon die Eintrittskarten für Tongli besorgt hatten, begann die spannende Suche nach dem richtigen Bus. Nach einigem Fragen und unsicher in der Gegend rumstehen wurde uns bedeutet, dass wir warten sollten, denn der Bus sei noch nicht da. Als er dann endlich kam, haben wir zufällig erfahren, dass die Busfahrt in unseren Eintrittskarten schon enthalten sei. In einem Bus – sagen wir mal mittleren Komforts – sind wir dann eine Stunde nach Tongli gefahren.
In Tongli angekommen mussten wir uns erstmal der ganzen Motorrad und Taxifahrer erwehren, die uns gegen ein kleines Entgelt in die Tongli Tourist Zone bringen wollten, welche aber nur einen fünfminütigen Fußmarsch entfernt war. Aus diesem Grund haben wir verzichtet. Durch den Eingang durchgegangen haben wir uns gleich in einem Labyrinth aus kleinen Gässchen und Brücken, durchzogen von Kanälen wieder gefunden. Hier gibt es in fast jedem Haus einen kleinen Laden, wo man allerhand Kram kaufen kann, den man braucht oder meistens auch nicht. Hungrig nach der langen Anfahrt und dem ersten kleinen Spaziergang sind wir dann in einem Teehaus essen und natürlich Tee trinken gegangen. Nach leckerem Oolong-Tea, Gum Bao Chi Ding und weiteren leckeren Sachen sind wir dann weiter erkundend durch die Gässchen gelaufen und haben allerlei schöne weil ruhige Örtchen gefunden. Wenn man sich an den Kanälen orientiert hat, ist man immer wieder zu einem zentralen Platz gekommen, wo u.a. auch eine Art Peking Opera aufgeführt wurde – grelle Stimmen, viel Ausdruck in den Gesichter der Schauspieler und quietschige Musik, wers mag...
Auf jeden Fall haben wir den Platz passiert um zu der eigentlichen Besonderheit von Tongli zu kommen. Hier steht das einzige Sexmuseum in China. Hier haben zwei Biologen oder Soziologen allerhand interessante, teils sehr skurrile Exponate zusammengesammelt und dafür auch schon diverse ausländische Preise eingeheimst. Der Besuch her war ganz lustig.
Danach wurde auch schon die Zeit bis zur geplanten Abfahrt Richtung Suzhou knapp und so haben wir uns noch einen Garten und ein anscheinend berühmtes Haus angeschaut. Ich glaube, wir konnten den kulturellen Hintergrund nicht wirklich würdigen, weil wir einfach nicht verstanden haben, warum man sich dieses Haus ansehen kann.
Mit der Rückfahrt gab es keine Probleme und wir kamen wohlbehalten – trotz Snacks am Straßenrand – wieder daheim an. Alles in allem lohnt Tongli einen Besuch, aber ein Tag reicht. Hier kann man noch ein wenig den Charme der alten Tage spüren, der in den meisten anderen Städten schon dem modernen Bauwahn zum Opfer gefallen ist.

Donnerstag, 11. September 2008

7.6 China live – Problemlösung auf Chinesisch Part 1

Bei meiner Wohnung gibt es eine Klimaanlage, wie schon früher einmal berichtet. Diese Klimaanlage hat einen entscheidenden Nachteil: wenn sie anspringt ist die Außenunit unglaublich laut. Jetzt sind in die Wohnung unter mir Leute eingezogen, die dummerweise ihr Schlafzimmer direkt neben meiner Klimaanlage geplant haben.
Am Sonntag stand dann der Nachbar von unter mir abends um 12 vor meiner Tür und meinte: „Aircondition too noisy“ Ich hab sie aus Kulanz ausgeschaltet und am nächsten Morgen den Vermieter anrufen lassen um ihn die Situation zu erklären und dass da etwas geändert werden müsse. Gestern waren dann der Vermieter, seine Frau und ein A/C Monteur bei mir und haben schon, bevor ich daheim war wild mit dem entsprechenden Nachbarn diskutiert.
Meiner Meinung nach gibt es für dieses Problem 4 Lösungsmöglichkeiten:
Ich benutze die A7C nicht mehr – geht nicht, wegen gibt´s nicht
Die Nachbarn verlegen ihr Schlafzimmer – genauso unrealistisch
Die A/C wird repariert – für mich das Naheliegendste, aber trotzdem nein.
Die Klimaanlage wird von der jetzigen Befestigung abgebaut und unten im Garten des Nachbarn wieder aufgebaut und ist damit weg vom Schlafzimmerfenster – und so wird es dann auch gemacht.In den nächsten tagen soll das alles passieren, ich bin ja gespannt. Ein Rätsel wird mir allerdings immer bleiben, warum die die Klimaanlage nicht einfach mit wenig Aufwand reparieren, sondern einen riesen Aufwand betreiben, um sie (wahrscheinlich mit einem Kran) auf den Boden heben. Mal schauen, was im Winter passiert, wenn der Boden frostig wird, aber soweit wird hier nicht gedacht, das ist eben China live

4.16 Unterwegs - Bali (15.08. - 24.08.2009)

Nachdem ein geplanter Wanderurlaub durch Nepal mit Peter, einem meiner Informandenkollegen und ehemaligen Kommilitonen, wegen der Tibetunruhen geplatzt ist, haben wir uns ein neues Ziel ausgesucht: Bali.
Am 15.08. ging es für mich dann los in Richtung Südhalbkugel. 04:30 Uhr aufstehen, damit ich mit dem Taxi noch rechtzeitig zum Zug nach Shanghai komme. Dort angekommen ergab sich für mich gleich die erste Frage, wie komme ich eigentlich zum Flughafen? Nach einigen Missverständnissen konnte ich am Ende doch jemanden klarmachen, dass ich mit der Magnetschwebebahn (Maglev) fahren möchte. Mir wurde eine U-Bahn-Station genannt und ich habe mich auf den Weg dorthin begeben. Morgens ist in der Shanghaier U-Bahn die Hölle los, vor allem an den Umsteigebahnhöfen, die ich leider auch benutzen musste. Bei dem ganzen Gedrängel ist es nicht einfach sich mit einem Trolley den Weg in die U-Bahn und auch wieder hinaus zu erkämpfen, aber ich habe es letztendlich geschafft und bin zu besagter Station gelangt. Ab hier ging dann alles ohne Probleme: Ticket kaufen, auf Maglev warten, einsteigen, Platz suchen und aus dem Fenster schauen. Ist schon gigantisch, wenn man die Geschwindigkeitsanzeige sieht und da auf einmal 430 km/h auftaucht. Unten fliegen die Autos nur so an einem vorbei – als ob sie sich gar nicht bewegen würden. Nach 8 Minuten erreicht man dann schließlich sein Ziel, den Shanghai Pudong Airport.
Von hier aus ging es mit Dragonair nach Hongkong, wo ich eine Nacht übernachten musste, weil es anders keine Möglichkeit gab noch am selben Tag weiterzureisen. Da ich ja schon mal in Hongkong gewesen bin und die Major-Sights schon kannte, bin ich einfach durch die Straßen gelaufen und habe mich treiben lassen. Dabei habe ich viele schöne und vor allem geschäftige Ecken gefunden. Abends bin ich dann zu der Promenade von Kowloon gegangen, damit ich mir die Lightshow der Hochhäuser auf Hongkong Island anschauen konnte. Dabei bin ich mit einem Südkoreaner ins Gespräch gekommen, der mit einer großen Gruppe dort war. Mit denen bin ich dann noch etwas weitergezogen, weil die erstens echt nett waren und zweitens zu einem Nachtmarkt in der Nähe meines Hotels wollten. Irgendwann habe ich mich dann verabschiedet und habe meinen verdienten Schlaf angetreten.
Am nächsten Morgen hob dann Flieger ab gen Bali – zwar mit etwas Verspätung, aber egal. Auf Bali angekommen habe ich erstmal eine Weile warten müssen, bis ich einreisen durfte, da die Visavergabe etwas länger dauert und Touristenmassen auf diese Insel strömen. Von dort aus fuhr mich ein Taxi direkt nach Kuta ins Hotel. Kuta ist so was, wie der Ballermann für Australier, d.h. alles ist viel entspannter. Hier hab ich dann auch Peter das erste Mal nach drei Jahren wieder gesehen und bin mit ihm nachdem wir den Begrüßungsdrink getrunken hatten an den Strand um den Sonnenuntergang anzuschauen. Auf dem Weg dorthin habe ich meine Adiletten gegen Flipflops der Marke „Balibong“ eingetauscht. Nach einem gemütlichen Essen sind wir dann in die erste Disko gegangen. Hier fand eine Modenschau statt, welche aber nicht wirklich der Bringer war, weshalb wir dann weitergezogen sind und mit Rollern zur nächsten Disko gefahren worden sind. Diese Disko war gerammelt voll und wir waren den ganzen Abend am Tanzen. Peter fand sich auf einmal oberkörperfrei auf einer Box wieder. Irgendwann hat es uns dann wieder ins Hotel gezogen, wo wir die Nacht an der 24 Stunden Hotel-Pool-Bar ausklingen haben lassen.
Am nächsten Morgen wurden wir von einem Anruf des Fahrers geweckt, den wir gebucht hatten. Er fuhr mit uns zuerst nach Ubud, einer Künstlerstadt im Herzen der Insel, wobei wir auf dem Weg dorthin in einer typisch balinesischen Hausanlage, mit vielen Wohn- und Lagerhäusern und einem Tempel halt gemacht hatten. In Ubud sind wir ein wenig durch die Gegend gelaufen, haben uns einen Tempel angeschaut, sind über den Markt geschlendert (haben dabei ein paar Souvenirs erworben) und haben uns dann ein nettes kleines Lokal zum Mittagessen gesucht.
Danach ging es weiter zum Mt. Kintamali, einem Vulkan, der für die Entstehung dieser Insel verantwortlich ist. Hier haben wir ein wenig den Ausblick genossen. Unter anderem an diesem Berg bleiben die Wolken hängen und so war es hier oben kalt und die gute Sicht auch bald weg. Also fuhren wir weiter nach Lovina.
Lovina liegt an der Nordküste der Insel. Das erste, was es hier zu tun galt, war ein Hotel zu finden. Hier konnte uns der Fahrer sehr gut weiterhelfen, indem er uns einfach zu einem Ressort brachte. Nach einer kurzen Besichtigungstour der Anlage mit dem Manager sind wir dann dort geblieben. Das war auch das erste Mal, dass ich das erlebt habe, dass sich der Preis von alleine senkt. Keiner von uns beiden hat einen Ton gesagt, aber der Preis fiel und fiel. Wir wären sowieso dageblieben, aber so war’s natürlich noch besser. Nachdem wir uns auch hier den Sonnenuntergang angesehen hatten, haben wir noch zu Abend gegessen und dann ins Bett. Der gestrige Abend lag und noch in den Knochen.
Am nächsten Morgen hieß es dann für mich ganz früh raus, um das Boot für einen Ausflug zu frei lebenden Delfinen machen zu können. Peter hat leider über Nacht starkes Fieber bekommen und musste mit den von mir angefertigten Wadenwickeln im Hotel bleiben. Ich bin also ausgerüstet mit einer Rettungsweste in ein kleines Fischerboot gestiegen. Fischerboote hier bestehen aus einem ca. 5m langen und 40cm breiten Rumpf, welcher durch zwei Anbauten links und rechts von je einem langen Balken, welche auch auf dem Wasser auflagen, gestützt wird. Eine etwas schaukelige Angelegenheit, aber wir hatten ja zum Glück eine sehr ruhige See. Also ging es los mit dem Sonnenaufgang im Rücken zu einer Stelle, bei der schon ca. 50 weitere Boote auf die Delfine warteten. Und auf einmal waren sie da. Immer wieder kamen vereinzelte oder Gruppen von Delfinen an die Wasseroberfläche, um Luft zu holen. Ist schon ein tolles Gefühl, wenn keine 5 Meter von einem entfernt ein Delfin aus dem Wasser springt und gleich wieder in ihm verschwindet. Jeder gesichtete Delfin löste eine Aufbruchstimmung unter den Booten aus, die sofort auf die entsprechende Stelle zusteuerten. Nach zwei Stunden stand ich wieder an dem schwarzen Sandstrand, an dem ich gestartet bin und bin zum Frühstücken.
Leider ging es Peter immer noch nicht besser (obwohl er sich alle Mühe gegeben hat, das zu verbergen) und er hat die Autofahrt nach Tulamben – nordöstlicher Teil der Insel – mehr schlafend als wach erlebt. Der Fahrer mutmaßte er hätte die balinesischen Mädchen ausprobiert, ich wüsste aber nicht wann und wo er das gemacht haben sollte. In Tulamben im Tauch Ressort angekommen, wurden wir von Andreas, dem Leiter der Tauchbasis des Ressorts in Empfang genommen. Uns wurden die Zimmer gezeigt und alles wegen den gebuchten Tauchkursen besprochen. By the way, das Ressort ist einfach nur klasse. Leider keinen Strand, aber dafür alles, was man sich unter einem Urlaubsressort vorstellt. Am besten die Fotos anschauen, denn es ist wirklich schwer zu beschreiben. Den Nachmittag habe ich dann gleich damit verbracht mich in einem Schulungsraum einzuschließen und sämtliche Theorie des Tauchens zu lernen. In der Zwischenzeit ist Peter ins Krankenhaus gefahren, um auf Nummer sicher zu gehen. Bei 39.8 Grad Fieber wollte er einfach solche Sachen, wie Malaria ausschließen. Er kam dann mit einer bunten Mischung aus Medikamenten zurück und hat den Rest des Tages geschlafen. Am Abend habe ich mich an der Strandbar ein wenig mit den auch hier abgestiegenen Leuten unterhalten und hatte dann schon so ein komisches Gefühl, was sich leider am nächsten Morgen bestätigen sollte – 39.2 Grad am morgen. Ich also raus aus dem Zimmer, zum Andreas die geplanten Tauchgänge abgesagt und mir ein Transport ins Krankenhaus nach Amlapura organisieren lassen (es waren Feiertage auf Bali, so dass alle Ärzte der Umgebung nicht im Amt waren). Dieses Krankenhaus hat nicht ganz den Standart, den ich aus Deutschland gewohnt bin, aber zumindest haben sie verstanden, dass es mir schlecht ging und mit dem Typen unterwegs bin, der gestern schon dort gewesen ist. Mir wurde die gleiche Diagnose geben, wie dem Peter, nämlich Husten und Fieber (was ich auch alleine schon gewusst hatte). Ich habe auch einen bunten Mix an Medikamenten mitbekommen, darunter ein Antibiotikum gegen den Husten, Paracetamol gegen das Fieber, noch ein anderes Medikament ebenfalls gegen Husten und noch Vitamin C-Pillen, die für mich wie Extasy aussahen. Das witzige an der Sache: Peter ist mit den gleichen Symptomen hingekommen, hat aber zwei andere Medikamente bekommen, als ich.
Die nächsten Tage waren entsprechender Weise nicht ganz so lustig für uns beide, wobei ich zugeben muss, noch nie so viel gelacht zu haben, während ich krank war. Der Höhepunkt war unser Wasserwetttrinken am Mittwoch, was Peter mit 6 Litern über den ganzen Tag knapp vor mir mit 5,7 Litern für sich entscheiden konnte. Wir waren die Quarantänestation der Anlage und uns hat man auch maximal zu den Mahlzeiten gesehen. Den Rest der Zeit haben wir schlafend auf dem Zimmer verbracht. Wahrscheinlich dachten alle, dass wir ein schwules Pärchen in den Flitterwochen wären.
Am Donnerstag ging es mir schon soweit wieder gut, dass ich den ersten Tauchgang wagen wollte. Zwar ging es erstmal nur in den Pool, aber als ich merkte, dass das gut klappte, war das schon ein tolles Erlebnis, zumal ich nicht mehr damit gerechnet hatte überhaupt tauchen gehen zu können. Nachmittags ging es dann gleich ins Eingemachte und ich durfte raus ins offene Meer und das war einfach gigantisch. Es ist unglaublich, wie viele Farben und Formen es unter der Wasseroberfläche gibt. Ich hab fast alle Charaktere von „Findet Nemo“ in Natura gesehen. Ich kann das nur jedem empfehlen. Natürlich muss man unter Wasser auch noch ein paar Übungen machen, aber wenn man sich an das Salzwasser gewöhnt hat, ist das gar kein Problem. Bei dem zweiten Tauchgang an diesem Nachmittag hat mir Andreas eine Muräne gezeigt. Einfach toll. Am Freitag hatte ich dann vormittags noch meine letzten beiden Tauchgänge, die ich aber zusammen mit zwei französischen Schülern machen musste. Diese beiden waren nicht die Sportlichsten und hatten einige Probleme mit dem vorwärts- und runterkommen (Bewegungslegastheniker, wie Andreas meinte), aber so hatte ich genug Zeit mir da unten alles genau anzuschauen und auch mal die kleinen Fische wahrzunehmen, die zwischen und in den Korallen herumgeisterten. Nachmittags habe ich dann noch schnell meine theoretische Prüfung abgelegt und seitdem bin ich „OpenWater Diver“. Peter ging es am Freitag auch wieder besser, so dass er mittags einen Tauchgang machen konnte, nachmittags mit mir Schnorchel gegangen ist und abends sogar noch einen Nachttauchgang gemacht hatte. Ich hab mich abends aufs „Nachtschnorcheln“ mit Lampe beschränkt, was aber nicht so spannend ist, wie tagsüber, weil alles irgendwie tot wirkt und die meisten Fische zwischen den Korallen schlafen. Den Abend haben wir dann noch an der Bar mit anderen Ressortbewohnern ausklingen lassen, denn am nächsten Tag ging es dann für mich auch schon wieder Richtung China.
Es fiel mir richtig schwer diese Insel zu verlassen, weil ich mich – gerade gesundet – noch in größter Urlaubsstimmung befand und mich wirklich wohlgefühlt hatte (Tipp für Bali: Tauch Terminal Tulamben). Wenn ich mir den Rückflug im Nachhinein so betrachte, hätte ich wirklich besser dort bleiben sollen. Erst ist die Maschine 140 Minuten verspätet abgehoben, dann war auf dem Flughafen Hongkong kein Gate bzw. nicht mal mehr ein Stellplatz für das Flugzeug frei. Als dann ein Stellplatz gefunden war, gab es keinen Bus, der uns abholen konnte und so haben wir bis 12 Uhr nachts in dem Flugzeug gesessen, danach war es zu spät noch in das gebuchte Hotel au fahren und das Airporthotel war ausgebucht, so dass ich diese Nacht auf einer Bank im Flughafen verbracht habe. Am nächsten Morgen klappte dann alles ganz reibungslos und ich war pünktlich in Shanghai und konnte noch in den Stoffmarkt gehen um mir meine bestellten Hemden abzuholen. Danach gab es noch etwas Aufregung, weil der Guide nicht, wie bestellt in einem Hotel mit der Bahnfahrkarte zurück nach Nanjing auf mich wartete, aber mit Ausdauer, Sprintstärke und breiten Schultern habe ich den Zug dann doch noch erwischt.
Das war aber nur der Abschluss eines ansonsten tollen Urlaubs. Bali kann ich nur empfehlen.

Mittwoch, 3. September 2008

3.3 Essen in China – Vegetarisch

Die nächste Kuriosität der chinesischen Küche: Vegetarisch.
Gestern war ich zusammen mit Claudia, Jasmin, Thomas und Simon beim vegetarischen Essen im Pure Lotus. Hier gibt es wirklich nur vegetarische Gerichte, was sich ja anfangs zugegebener Weise etwas unspektakulär anhört. Man denkt sofort an Gemüse, Pfannkuchen und Tofu.
Unsere Bestellung sah folgendermaßen aus: Als Vorspeise einen Gemüsewrap, und als Hauptgang dann Tofu in feuriger Art, Eggplant-Kuchen, eine Gemüsespeise und was natürlich nicht fehlen darf einmal Hühnchen und einmal Fisch.
Hühnchen und Fisch? Genau! Die können hier alles aus Tofu zaubern, was man sich wünscht. Der Tofu-Fisch hat wirklich wie Fisch geschmeckt und hatte genau wie das original eine Haut und strukturiertes „Fleisch“. Wahnsinn und echt lecker. Beim Hühnchen war es genau dasselbe. Es sah aus, wie ein Hühnchen in China serviert wird, nur der Kopf fehlte. Das Fleisch wurde dann noch in eine Orangensauce getunkt und war fertig zum Essen.
Für alle, die es noch nicht gemacht haben. Probiert es aus, wenn ihr die Chance dazu habt. Es ist wirklich lecker und man hat keine Probleme mit Knochen oder Gräten.

Montag, 1. September 2008

1.2 Kulturschock

So, jetzt ist es soweit. Ich habe lange dagegen angekämpft, aber es hat mich doch erwischt. Ich hab grad gar keine Lust mehr auf China und wäre am liebsten überall dort, wo die Chinesen nicht sind. Ich hätte nicht gedacht, dass das so krass wird, aber Thorsten (der Trainer im Interkulturellen Training) hatte recht. Irgendwann geht einem einfach alles auf die Nerven und man versucht sich irgendwie ein Stückchen „Zuhause“ zu ergattern oder sich sonst irgendwie abzulenken. Bei mir äußert sich das bisher ganz stark in einem Konsumrausch (ich habe in den letzten Wochen u.a. 17 Hemden in Auftrag gegeben – 5 sind gerade in der Mache, den Rest hab ich schon daheim), außerdem gehe ich extrem viel westlich essen und habe einen erhöhten Redebedarf (Danke Spatz, Mama & Papa, Peter, Rene, Vince und Micha, dass ihr euch das Geheule anhört).
Ich hoffe, dass sich das bald wieder legt, denn es lähm einen sehr stark. Man kommt nach Hause und muss fast gezwungen werden es am Abend noch mal zu verlassen. Und wenn man die Wochen nur daheim verbringt, verbessert sich die Situation nicht wirklich.
Aber „Tschacka ich schaff das!“

10.1 Alltag – normaler Arbeitstag

So, nachdem ich bisher eigentlich nur über Ausflüge geschrieben habe, möchte ich euch mal Einblick in einen ganz normalen Tag hier in China von mir geben:

06:50 Uhr – der Wecker klingelt das erste mal. Nach dem zweiten Klingeln habe ich ungefähr eine halbe Stunde Zeit mich zu duschen, fertig zu machen und ggf. noch etwas zu frühstücken.
07: 30 Uhr - ich muss los, denn ich muss noch ca. 800 Meter zu der Bushaltestelle laufen, an der mich der Busfahrer aufgabelt. Zum Glück muss ich an der Hauptstrasse entlang laufen, so dass mich der Busfahrer meistens schon vorher einsammelt. Einen großen Europäer erkennt man halt schon von weitem.
07:43 Uhr - Abfahrt des Shuttlebusses an der Station
08:35 Uhr - Ankunft des Shuttlebusses bei der 20 km entfernten Arbeitsstelle mitten in einem riesigen Industriegebiet, einer Technological & Economical Development Zone.
08:40 Uhr - Computer ist hochgefahren und die Arbeit beginnt.
12:00 Uhr - „Lunchtime“ hallt es durch unser kleines 3-Leute-Büro und ich gehe zusammen mit meinen Kolleginnen, meinem Chef und Thomas, dem Praktikanten aus der Nachbarabteilung, runter ins Erdgeschoss in die Kantine. Hier wird das Essen von einer Cateringfirma angeliefert. Qualität: Manchmal ganz gut, meistens aber nicht.
16:55 Uhr – Die Kollegen des R&R Departments, das um uns herum angesiedelt ist, werden langsam unruhig. Sachen werden zusammengepackt, die Toiletten sind überfüllt und die Lautstärke nimmt zu.
17:00 Uhr – es wird schlagartig wieder ruhiger, denn es ist fast keiner mehr da.
17:10 Uhr – Abfahrt des Shuttlebusses Richtung Innenstadt. Jetzt kommt es darauf an, dass man im richtigen Bus sitzt, denn es gibt 5 davon und nur einer fährt zur MuXuYuan Dajie (sprich Muschüjüän Datschie), in der ich wohne.
18:00 Uhr – Ankunft daheim

Was danach passiert, hängt immer ganz von meiner Lust ab, die ich an den entsprechenden Tagen habe, aber darüber schreiben ich später einmal.

Samstag, 30. August 2008

4.15 Unterwegs – Wuxi (09.08.2008)

Kaum aus Hefei wieder da ging es am nächsten tag weiter nach Wuxi (sprich Wuschi). Ich hatte ja im Vorfeld nicht wirklich gute Sachen über diese Stadt gehört, aber ich wollte mich dessen selbst überzeugen. Wuxi ist eine 5 Millionen Einwohnerstadt auf 2/3 des Weges von Nanjing nach Shanghai. Diese Stadt liegt, wie Suzhou, am Großen Kanal hat aber im Gegensatz dazu seine ganzen alten Kulturgüter dem rapiden Wachstum der letzten Jahre geopfert. Dementsprechend sind die touristischen Sehenswürdigkeiten auch eher rar.
Wieder mit Claudia mit dem Zug unterwegs haben wir wieder mit einem Park begonnen. Dieser war ganz nett um zwei Hügel angelegt und man konnte ein wenig herumspazieren, mit einer Seilbahn zu einem Aussichtspunkt fahren und auf eine kleinere Pagode auf der Hügelspitze steigen, was wir auch alles gemacht haben. Von der Pagode waren wir ganz schnell verschwunden, als es nach einem Knall auf einmal anfing zu rauchen und zu stinken. Wahrscheinlich ein Kurzschluss. Wo wir beide gepasst haben, waren die typischen chinesischen Freizeitspäße, wie mit einem Boot auf einem See herumfahren. In dem Park war auch ein Tempel, den wir uns angeschaut haben, aber der war ganz komisch. Dieser Tempel glich zwar vom Aufbau einem typischen Gotteshaus hier in China, aber er war total vollgestellt, wie in einem Abstellschuppen, und die Leute, die hier waren, haben eher Picknick gemacht, als dass sie ehrfürchtig gebetet haben. Es gab auch keine Räucherstäbchen, die einem die Luftzufuhr abgeklemmt hatten…ok, das war nicht soo schlecht. Auch der Rückweg zum Ausgang glich eher einem großen Abstellbereich der Stadt, denn hier waren Holz- und Betonbohlen, Fassadenfragmente, Pflastersteine, usw. teilweise 3m hoch aufgeschichtet waren…ganz komisch.
Nach der Erfahrung vom Vortag haben wir uns entschlossen in einem westlichen Hotel zu Mittag zu essen, was wir dann auch im Marriott Hotel getan haben. Und sind nicht schlecht damit gefahren. Leider hat es danach angefangen zu regnen, so dass wir den Programmpunkt Tei-See gestrichen haben. Dieser See liegt im Süden der Stadt und soll ganz schön sein, vielleicht ein andermal. Wir haben uns dann auf den Weg in die Innenstadt gemacht und waren erstmal völlig überrascht über das Einkaufzentrum, was sich auf drei Etagen erstreckte und in dem die Fußgängerzone integriert war. Überall brachten einen Rolltreppen unter die Fußgängerzone oder auf die Balustrade darüber. Wirkte erstmal ganz nett. Gleich am Anfang fiel uns ein Tempel auf, den wir aus Neugier besichtigen gehen wollten. Leider war dies kein Tempel sondern ein gut getarnter Juwelier und wir ziemlich enttäuscht…schon wieder ein Tempelflop in Wuxi. Ein bisschen Abseits des Einkaufszentrums gab es noch einen weiteren Tempel. Es muss dort auch irgendwo einen gegeben haben, wir haben ihn nur leider nicht gefunden, denn um ihn herum war eine riesen Freizeitanlage für Chinesen angelegt worden, mit 26 Sightseeingspots, über sie man sich streiten kann. So war z.B. eine kleine Brücke, die total in den Weg integriert war und die man nur beim genaueren Hinsehen als Brücke erkannte einer davon. Sehr aufregend. Im restlichen „Park“ wurde in „Cafes“ gesessen und grüner Tee getrunken, Karaoke gesungen, musiziert, getanzt (teilweise sehr eigenwillig – Kung Fu Style), Schach, Umzingelungsschach und Dame gespielt und den Kindern bei den aufgestellten Fahrgeschäften zugesehen, wie sie aus Wasserpistolen auf Zielscheiben schossen (Takeshis Castle lässt grüßen). Es konnten auch Goldfische gefüttert und natürlich Kram eingekauft werden. Trotzdem ist mir aufgefallen, dass dort massig Rentner unterwegs waren.
Versteckt neben dem ehemaligen Hauptplatz und einer Public-Viewing-Area für Olympia haben wir dann doch einen Hauch Kultur gefunden. Dort stand das Haus eines anscheinend berühmt gewordenen blinden Mannes, der früher Nachrichten in singender Form von Dorf zu Dorf brachte. So hat er eine gewisse Berühmtheit erlangt und später sogar Platten aufgenommen und hochrangigen Besuch empfangen. Nach diesem geschichtlichen Ausflug sind wir einen Kaffee bei Starbucks trinken gegangen und haben uns dann irgendwann auf den Weg zum Bahnhof gemacht.
Nach diesen zwei Tagen in zwei weniger aufregenden Städten waren wir beide sehr froh, dass wir in einer so „weltoffenen“ Stadt wie Nanjing leben, hätte ich vorher auch nie gedacht, dass ich so was mal über Nanjing sagen würde.

4.14 Unterwegs – Hefei (08.08.2008)

Ein weiterer Ausflug brachte mich nach Hefei. Hefei ist die Hauptstadt der Anhui Provinz, einer Nachbarprovinz von Jiangsu, der Provinz, wo Nanjing die Hauptstadt ist. Hefei liegt ebenfalls am Jangtse und konnte so relativ schnell mit dem Zug erreicht werden, also machte ich mich am Samstagmorgen mit Claudia auf den Weg, um diese Stadt zu erkunden.
In Hefei angekommen waren wir zuerst mal überrascht, denn die Stadt wirkte auf Anhieb recht groß, obwohl sie mit ca. 2 Mio. Einwohnern für chinesische Verhältnisse eher ein Dorf ist. Nach kürzerer Suche haben wir den Taxistand gefunden und sind Richtung Innenstadt gefahren. Im Lonely Planet sind genau anderthalb Seiten dieser Stadt gewidmet, was nicht gerade auf viel Touristisches schließen lässt, deswegen haben wir beschlossen in der Innenstadt anzufangen. Auf dem Weg dorthin wurden wir von einem Zug ausgebremst, der wohl rangiert hatte, denn er hat – während wir vor dem Bahnübergang wartetet – zweimal vor und wieder zurückgesetzt, um am Ende wieder in die Richtung zu verschwinden, aus der er gekommen ist. Aber wir hatten ja den ganzen Tag Zeit. Die Innenstadt erwies sich als eine Fußgängerzone, die nicht wirklich aufregend war. Einmal durch sie hindurchgeschlendert, wobei wir zwei kleinere Tempel entdeckt aber nicht besucht hatten, sind wir entlang des ehemaligen Burggrabens entlang spaziert, bis wir auf einen schön angelegten Park gestoßen sind, den Baobe-Park. Hier konnte man schön unter Weidenbäumen um einen See spazieren gehen und diesen an engeren Stellen über diese typischen steilen chinesischen Brücken überqueren. Dabei stießen wir auf eine große Pagode, welche wir auch gleich besucht hatten.
Von außen wirkte der Bau und auch der Park drumherum eher altertümlich, so dass wir dachten, dass wir eine antike Stelle gefunden hatten und unser kulturelles Gewissen befriedig wussten, bis wir festgestellt hatten, der ganze Komplex erst 1999 zum 1000. Todestag des Bao Be errichtet worden ist. In der Pagode gab es sogar einen Aufzug. Wir sind aber trotzdem die Pagode hochgestiefelt und haben uns sogar jedes Stockwerk angeschaut, denn auf jeder Etage gab es eine kleine Ausstellung, aber aufregend war das ganze nicht. Ganz oben angekommen hatten wir einen schönen Ausblick auf die Dächer der Innenstadt, welchen wir eine Zeit lang genossen haben.
Danach ging es weiter zum dem Grab des Bao Be, was sich in einem Nachbarkomplex befand. Hier wirkte die Parkanlage eher verwildert, was aber seinen eigenen Charme hatte. Vor einem mit Gras bewachsenen Hügel, welchen wir später als Grabhügel identifizieren konnten, stand eine Schildkrötenstatue. Schildkröten stehen in China für langes Leben…tja, bei Bao Be hat’s wohl nicht hingehauen. Wir haben dann noch einen Blick in die Gruft riskiert, welche mit dem Wissen, dass diese auch höchstens 9 Jahre alt sein kann, etwas an Attraktivität verloren hat. Die feuchte, muffige Gruftluft haben die Hefeier jedenfalls gut nachgeahmt.
Nach dem Kulturteil des Ausflugs haben wir beschlossen etwas essen zu gehen, was sich später als das größte Abenteuer dieses Tages erwies. Wir hatten auf dem hinweg schon ein nettes Restaurant am Fluss gesehen, in welches wir dann auch eingekehrt sind. Es stellte sich als sehr gutes chinesisches Restaurant heraus, was man gut an den davor parkenden Autos erkennen konnte. Während wir die Auffahrt hinaufgelaufen kamen, konnten wir schon die ersten Panikattacken in den Gesichtern der Angestellten erkennen und hektische Aktivität deutet darauf hin, dass fieberhaft jemand mit Englischkenntnissen gesucht wurde. Diese Person hatte uns dann auch in Empfang genommen und uns einige Essen empfohlen. Wir haben dann ein Schweine-, ein Enten-, ein Hühner- und ein Pilzgericht bestellt. Nachdem wir alles bekommen hatten und gesehen hatten, welche Spezialitäten wir bekommen hatten, wurde uns schlagartig etwas anders im Magen und wir haben das lokal verlassen. Um es chinesisch auszudrücken: „Der Orangensaft (Kostenpunkt 10 Euro) war fabelhaft“ über den Rest schweigt man sich aus. Es gab nämlich Schweinefett mit Soße, klein gehackte Entenfüße in Kombination mit roten und grünen Chilischoten, ein Huhn in ganzen gekocht und dann zerhackt und einen großen Teller voller Glibberpilze. Wahrscheinlich ein Festessen für einen Chinesen für uns eher nicht.
Nach einem kurzen Abstecher zu KFC, um den gröbsten Hunger zu bekämpfen, machten wir noch einen weiteren Spaziergang durch einen anderen Park, wo wir uns auf einer Bank sitzend gegen Bettler und Paparazzi wehren musste, aber schließlich in Ruhe gelassen wurden. Witzig war auch das jugendliche Pärchen, was in einem Pavillon in einer Ecke, vermeintlich gut versteckt das Küssen mit Zunge übte (Zärtlichkeiten in der Öffentlichkeit in China – Revoluzzer!!) Wahrscheinlich hatten sie aber als Vorlage nur ein Foto, denn alles wirkte sehr statisch, will sagen, dass die sich bestimmt die zwei Minuten die wir in den Nähe waren nicht auch nur einen Millimeter bewegt hatten. Unten beobachtete ein Mann – könnte der Vater des Mädels gewesen sein – die beiden, versteckt hinter einem Busch. Ich denke mal, dass die beiden mittlerweile verheiratet sind *gg*. Das war aber auch das Letzte was wir in Hefei beobachtet haben, denn dann ging es zurück nach Nanjing.
Was ist von Hefei hängen geblieben? Ein nettes ruhiges Städtchen mit einer normalen Fußgängerzone, zwei netter Parks, keinem eigenen Flair und enorm vielen Bettlern.

Mittwoch, 13. August 2008

4.13 Unterwegs – Longsheng (20.07. - 21.07.2008)

Wir sind also von Guilin aus aufgebrochen um nach Longsheng zu fahren und dort den „Dragon’s Backbone“ zu bewundern. Das Rückgrat des Drachens besteht aus tausenden kleinen Reisterassen, die über hunderte Jahre in den Berg integriert worden sind, bis es so aussieht, wie ein Berg, der aus Legosteinen zusammengebaut worden ist. Aber soweit waren wir noch nicht.
Erstmal sind wir drei Stunden mit dem Wagen durch die chinesische Landschaft gefahren worden. Dabei haben wir einen sehr interessanten Stopp gemacht. Eigentlich sollte er zu fotografieren genutzt werden, endete aber in einer kleinen Biologie- und Sachkundestunde. Wir konnten Bauern beim „ernten“ von Reis zusehen, welche die getrockneten Reispflanzen in einen altertümliche Maschine hielten, die die Reiskörner von den Halmen getrennt hat. Des Weiteren hat uns unser – heute sehr gut gelaunter Führer Fen – noch jede Menge Pflanzen gezeigt und wie sie aussehen, wenn sie noch nicht abgepackt sind. Hier gab es so neben Reis noch Erdnüsse, Orangen, Mandarinen, Chilis und lange Stangenbohnen.
Nach und nach wurde die Landschaft hügeliger und wir kamen immer höher ins Gebirge. Irgendwann stoppten wir dann ein weiteres Mal. Diesmal konnten wir endlich von unserer wandererprobten Ausrüstung gebrauch machen, denn wir beiden – also Dea und ich – durften selbstständig auf einen kleinen Berg steigen. Dieser Berg hatte schon die ersten kleinen Terrassen, welche aber wirklich sehr schmal waren. Aus diesem Grund werden sie auch die Froschsprungterrassen genannt, weil ein Frosch beliebig von einer Terrasse auf die nächste springen kann – zumindest von der Länge her. Dea musste auf halbem Weg leider wegen Knieproblemen wieder umkehren, ich hingegen bin noch bis zu einem Bauerhaus hinaufgestiegen. Man muss dazu sagen, dass der kleine Weg mit unregelässigen Stufen und vom Regen sehr glitschig, nicht gerade zu längeren Wanderungen eingeladen hat. Beim Abwärtslaufen mit dem Blick ins Tal hat sich die eigentlich Schönheit des Tals das von einem Fluss der Länge nach durchflossen wird, mit kleinen, wie in den Berg geschlagenen Dörfern (einer ethnischen Minderheit in China) und den schon erwähnten Terrassen erst richtig dargeboten. Unten auf der Brücke hat mich Dea schon erwartet und wir sind zum Essen gegangen.
Dann ging es endlich los zu den bekannten Terrassen, zu denen wir ja eigentlich wollten. Nach noch einer halbstündigen Fahrt über zum Teil sehr abenteuerliche Serpentinen sind wir endlich auf dem zentralen Parkplatz des Ping’in Dorfes angekommen. Dieses lag aber leider noch ca. eine halbe Stunde laufen von uns entfernt. Was ja kein Problem sein sollte, wenn es nicht die ganze Zeit bergauf gegangen wäre und eine fast unerträgliche Luftfeuchtigkeit geherrscht hätte. Zum Glück haben wir vorher den Tipp bekommen, die Sachen, die man für die Übernachtung brachen würde in einen Rucksack zu packen, was den Aufstieg ein wenig erleichterte (Danke Stefan).
Endlich in dem verwinkelten Dorf angekommen, musste uns Fen durch viele kleine Wege führen, bis wir endlich das Gasthaus erreicht hatten. Nach kurzer Pause sind wir gleich weiter gezogen, denn duschen hätte sowieso nichts gebracht, wir waren ja eh schon durchgeschwitzt. Also galt es noch die letzten Höhenmeter zu überwinden und dann waren wir bei einem der berühmten Ausblickspunkte angelangt und blickten auf „die sieben Sterne und den Mond“ oder so ähnlich. Es sah wirklich genauso aus, wie in den Fotos, die man überall anschauen kann. Da wir im Sommer da waren, waren die Reispflanzen noch im Wachstum, also schauten wir auf tiefgrüne Legosteine, die zu Bergen aufgetürmt waren – einfach geil!
Nach den obligatorischen „Wir-sind-hier-Fotos“ sind wir dann noch alleine weitergewandert. Bei dieser Wanderung einmal ums halbe Dorf herum sind wir an viele Stellen mit genialen Aussichten vorbeigekommen und haben eine Unmenge an grünen Fotos geschossen, so begeistert waren wir. Dadurch, dass die Wege auf denen wir gelaufen sind nicht nur in der direkten Sonne waren, konnten wir das Grün genießen und uns richtig Zeit lassen. Wir kamen genau zur richtigen Zeit, denn die Terrassen wurden wieder neu bewässert und so konnten wir sehen, wie ausgeklügelt das Bewässerungssystem hier oben war. Durch kleine Abläufe in den Dämmen der Felder lief das Wasser in das nächste Feld eine Terrasse weiter unten und so weiter. So wurde das Wasser ständig ausgetauscht und erneuert. Nachdem ich dann die eine einheimische Dame, welche Fotos mit ihr und ihrem langen Haar verkaufen wollte, mit meinen wenigen Chinesischkenntnissen vor einem Stoß in die Terrassen bewahrt habe (den sie aufgrund ihres Nervigkeitsfaktors durchaus verdient gehabt hätte) sind wir dann zurück ins Dorf und nach kürzerer Orientierung haben wir auch das Gasthaus wieder gefunden.
Nach dem Abendessen mit Bambusreis, auf das wir aus irgendeinem Grund eine Stunde lang warten mussten, wollten wir dann früh schlafen gehen. Wir haben unsere Rechnung aber ohne die Dorfdisko gemacht, die pünktlich um 21 Uhr begann mit tiefen Bässen uns und das ganze restliche Dorf bis 23 Uhr zu unterhalten. Da muss man ans Ende der Welt fahren, um einmal wegen Lärmbelästigung nicht einschlafen zu können – das ist uns in den ganzen Millionenstädten vorher nicht passiert.
A nächsten Tag machten wir uns nach erfolgreicher Souvenireinkaufstour wieder auf den Rückweg. Mir wird vor allem die Shopbesitzerin in Erinnerung bleiben, die uns aufgrund des von mir angebotenen Kaufpreises für zwei Gürtel erstmal ihren Mann vorstellte und uns noch zwei Sätze mit Postkarten schenkte. Ich glaube wir haben viel zu viel bezahlt. :-)

Sonntag, 10. August 2008

4.12 Unterwegs – Guilin/Yangshuo (18.07. - 21.07.2008)

Die nächste Station auf Dea und meiner Rundreise war Guilin und sie begann mit einer Premiere – wir sind pünktlich mit dem Flugzeug gestartet und auch zur richtigen Zeit gelandet. Nach längerem Schauen, hatten wir dann auch unseren Guide – Fen – gefunden und wir wurden zum Hotel gebracht. Schon auf der Fahrt ist uns aufgefallen, das Guilin eine etwas buntere Stadt ist, als Xi’an es war. Dieser Eindruck hat sich dann vom Balkon unseres Hotelzimmers noch bestätigt. Ein See direkt vor dem Hotel wurde in den verschiedensten Farben beleuchtet und die Bäume um ihn herum angestrahlt. Beim Betrachten dieser surrealen Welt haben wir dann unseren Zimmernachbarn kennen gelernt. Dann hab ich uns unfreiwillig auf den Balkon ausgesperrt, wer kann denn auch wissen, dass sich die Tür nicht mehr von außen öffnen lässt? Aber ich war wohl nicht der Erste, denn es gab ein Telefon auf dem Balkon, mit dem wir bei der Rezeption unsere Befreiung koordinieren konnten. Danach sind wir noch eine Kleinigkeit essen gegangen und haben uns dann an den See gestürzt und sind dort Spazieren gegangen. Beim Umrunden trafen wir dann auf den Nachtmarkt von Guilin, welcher mir aber wegen seiner Koordiniertheit nicht so gut gefallen hatte.
Am nächsten tag wurden wir pünktlich von Fen und unserem Fahrer abgeholt und zu dem Schiff gebracht, mit dem wir die weltberühmten Karstberge auf dem Li Jiang bestaunen werden würden. Und so ging die Fahrt auch schon los – durch eine unbeschreibliche Landschaft. Diese Berge sind wirklich wunderschön mit ihren abgerundeten und bewaldeten Spitzen. Wir sind gar nicht mehr aus dem Fotografieren rausgekommen. Nur die drückende Hitze drückte manchmal auf unsere Gemüter, so dass wir uns ein paar Minuten auf dem klimatisierten Deck ausruhen mussten, danach ging’s aber gleich weiter. Zwischendurch haben immer wieder schwimmende Händler in halsbrecherischen Manövern an unserem Schiff festgemacht und wollten Wurzeln, Hüte und Bücher verkaufen. An Bord gab es auch Mittagessen und so kamen wir irgendwann wohlbehalten, mit einem riesigen Sonnenbrand und viele tollen Eindrücken nach Yangshuo.
Hier mussten wir uns erstmal durch die vielen Touristen und Marktstände schlagen, bis wir ein wenig frei laufen konnten. Fen organisierte uns Fahrräder und wir haben eine kleine Fahrradtour durch das ländliche Hinterland von Yangshou gemacht. Es war irrsinnig heiß und unsere Wasservorräte gingen langsam zur Neige, außerdem hatten wir immer Angst, dass uns Fen vor lauter Anstrengung vom Fahrrad fällt. Der ist nämlich – typisch chinesisch – sehr verkrampft und zielfixiert auf dem Sattel gesessen. Bei einer Abfahrtstation für „Rafting“ (muss ein Witz gewesen sein) sind wir dann umgekehrt und wieder zurückgefahren. Auf dem Weg haben wir jede Menge Chilis gesehen und auch viel Reis und Mais.
Wieder in Yangshou angekommen mussten wir uns entscheiden, was wir machen wollten. Abends hatten wir Karten für eine Show auf einer schwimmenden Bühne im Li Jiang, allerdings war es 15 Uhr nachmittags und wir waren durchgeschwitzt und zwar bis auf die Unterhose und wollten eigentlich keine weiteren 4 Stunden so durch die Gegend laufen. Wir entschlossen uns also den Fahrer zu rufen und wieder ins Hotel nach Guilin gebracht zu werden. Die Wartezeit auf den Fahrer verbrachten wir mit ein wenig Shopping – chinesisches Oberteil für Dea und Gürtel und typisch chinesischen Spitzhut für mich – und den Rest in einem Kaffee, bei einem lecker Wassermelonensaft und grünem Tee. Wieder in Guilin angekommen hatte es auf einmal richtig angefangen zu schütten, so dass wir davon ausgegangen sind, dass die Show sowieso ins Wasser gefallen wäre und sind nach einem Abendessen im Hotel todmüde ins Bett gefallen.
Am nächsten Morgen sind wir nach Longsheng aufgebrochen, was ebenfalls eine Erfahrung war. In Longsheng hatten wir eine Nacht übernachtet und sind dann wieder nach Guilin gekommen. Wir hatten noch Zeit, bis unser Flieger wieder nach Nanjing abhob, also haben wir uns noch vor dem Mittagessen das Wahrzeichen von Guilin angeschaut – den Elefantenrüsselberg. Das ist ein Berg, der halb im Fluss steht und durch den das Wasser ein Loch gegraben hatte, so dass er mit viel Fantasie aussah, wie ein Elefant, der sein Rüssel in den Fluss steckte und trank. Auch hier war ein recht schöner Park angeschlossen, so sind wir noch ein wenig spazieren gegangen.
Nach dem Essen ging es dann in die Schilfrohrhöhle. Dies ist eine sehr schöne Tropfsteinhöhle mit gewaltigen Stalaktiten (die, die von oben kommen) und Stalagmiten (die, die von unten kommen, die auch grandios mit Scheinwerfern in verschiedenen Farben in Szene gebracht worden sind. Wirklich eine tolle Höhle, auch wenn hier wahrscheinlich alles zerstört worden ist. Viele der Kalkzapfen wurden berührt und wachsen so leider nicht mehr weiter. Andere wurden total abgeschnitten um Platz für die Wege für die Touristen zu machen. In einer Nebenhöhle gab es noch „1000-jährige“ Schildkröten zu bewundern.
Nach der Besichtigung und einem kleinen Bummel durch die Innenstadt von Guilin wurden wir überpünktlich zum Flughafen gebracht und flogen voll von Eindrücken wieder zurück nach Nanjing…die Rundreise war vorbei. Jetzt brauchten wir beide erstmal Zeit die ganzen Erlebnisse zu verarbeiten, trotzdem war es eine einmalige Rundreise, bei der wir ein paar der schönsten Flecken Erde gesehen haben und uns von kulturellen Schätzen der Chinesen beeindrucken lassen konnten.

Samstag, 9. August 2008

9.2 Sprache – erster Erfolg

Mein erster Erfolg mit der chinesischen Sprache: Ich habe es geschafft mich mit einem Taxifahrer 6 Sätze zu unterhalten, bis ich mich wieder auf mein „Ting bu dong“ (ich versteh das nicht) zurückziehen musste. Da bin ich richtig Stolz drauf, denn ich bekomme langsam mit was die Leute hier sagen und kann einzelne Worte heraushören. Somit komm ich immer öfter hinter den Sinn der Sätze und kann zumindest in die richtige Richtung antworten. Es geht aufwärts!!!

4.11 Unterwegs – Xi’an (17.07. - 18.07.2008)

Da wir ja – mal wieder – einige Zeit im Flugzeug sitzend auf dem Flugplatz verbringen durften, als wir aus Hangzhou abgereist sind, sind wir entsprechend auch zu spät in Xi’an angekommen. Am Flughafen wartete auch schon ungeduldig unser Guide – Alissa – auf uns. Wir haben dann schnell am Flughafen in einem Restaurant noch etwas zum Essen bekommen und sind dann gleich aufgebrochen zum ersten Museum. Auf dem Weg dorthin wurden wir schon etwas skeptischer, denn die Stadt bot sich nicht gerade von ihrer besten Seite dar. Alles wirkte irgendwie grau und heruntergekommen. Gerade wenn man aus Hangzhou kommt, ist man von einer industriell geprägten 8-Millionen Stadt eher geschockt. Der Eindruck blieb leider bis zum Ende unseres Aufenthaltes dort.
Dabei hat die Stadt gerade kulturell viel zu bieten, wie wir im Geschichtlichen Museum erfahren haben. Xi’an wurde recht früh in der chinesischen Geschichte zur Hauptstadt erklärt, verlor und erlangte diesen Status immer mal wieder. Auf jeden Fall wurden wir durch das Geschichtsmuseum der Provinz Shaanxi geführt, welches bei den Knochen des frühesten jemals gefundenen „Menschen“ begann und sich durch alle Dynastien schlängelte. Interessant waren vor allem die Veränderungen der Puppen, welche sich immer den herrschenden Schönheitsidealen anpassten, mal dick und rundlich, mal schlank und groß. Leider waren neben uns noch diverse Schulklassen im Museum, so dass wir unfreiwillig auch zur Touristenattraktion geworden sind. Nachdem wir in einer Stunde einen fast vollständigen Abriss über die chinesische Geschichte erhalten hatten, wurden wir weiter zur Großen Wildganspagode gefahren.
Die Große Wildganspagode gilt als das Wahrzeichen von Xi’an. Diese Pagode ist viereckig (Unterschied zu südlichen Pagoden) und gemauert. In ihr werden die alten Schriften des Mönches Xuanzang, welcher den Buddhismus von Indien nach China brachte, verwahrt. Hier soll er die in 17 Jahren Wanderschaft durch Indien gesammelten Werke ins Chinesische übersetzt haben. Die ganze Anlage ist – mit Ausnahme der Pagode – neueren Ursprungs und wird wohl in den Folgejahren noch weiter erweitert werden.
In unserem Hotel im Inneren der komplett erhaltenen Stadtmauer wurden wir, aus Mangel an Standartzimmern, in den Executiv-Floor verlegt, was uns ein tolles Zimmer in der obersten Etage des Hotels mit einem guten Blick über die Innenstadt bescherte. Zum Essen sind wir auf Anraten unserer Führerin im Hotel geblieben und haben recht günstig ein tolles Buffet (asiatisch und westlich) bekommen. Nach dem Essen bin ich dann noch mal alleine in die Innenstadt auf den Nachtmarkt gefahren, welcher sich direkt hinter dem Trommelturm im moslemischen Viertel erstreckt. Hier herrschte ein reges Treiben und es wurde wild gehandelt, dazu Fleischspieße mit allem möglichen Fleischsorten angeboten (leider hatte ich überhaupt keinen Hunger mehr). Hier habe ich nach zähen Verhandlungen mit einem Shopbesitzer ein „altes“ Mah-Jiangg Spiel erstanden.
Am nächsten Tag ging es dann los zu den Tonkriegern, wegen welchen wir ja eigentlich hier waren. Wir fuhren also los und waren ziemlich überrascht, dass wir zuerst zu der Fabrik der Tonkrieger gefahren wurden. Hier wurde uns ein kurzer Exkurs über die Herstellung von Tonfiguren und chinesisch bemalten Schränken gehalten und dann begann ein langer Gang durch viele Ausstellungs- und Verkaufsräume – eine große Touristenfalle, bei der man schöne Sachen zu völlig überteuerten Preisen erstehen konnte. Zu der Herstellung muss man eine kleine Widersprüchlichkeit erwähnen. Laut unserer Führerin wurde die Kunst, diese Tonsoldaten herzustellen, seit Jahrtausenden von Vater zu Sohn mündlich weitergegeben. Die Tonsoldaten wurden aber erst 1974 wieder entdeckt. Die Frage, die sich mir aufzwingt: Fanden die Leute das nicht tausende von Jahren komisch, dass ihnen ein Geheimnis angetragen worden ist, für Dinge, die es eigentlich gar nicht gab? Und dieses Wissen konnten dann die entsprechenden „Künstler“ 1974 wieder aus dem Hut ziehen und sofort – natürlich mit passender Lizenz – wieder damit beginnen diese Figuren herzustellen. Ich finde das sehr mysteriös.
Nachdem wir die lästige Verkäuferin abgeschüttelt und unsere Begleitungen gefunden hatten ging es dann los zu den Tonkriegern (Schreibt man Krieger im englischen jetzt Warriors oder Worriors?). Nach einer Stunde Autofahrt und einem kleinen Spaziergang standen wir dann endlich in der ersten Halle mit den Tonsoldaten und es war schon echt beeindruckend. Alle standen in Reih und Glied oder lagen zerstört am Boden herum. In langen Reihen sah man hunderten von individuell gestalteten Soldaten, welche man deutlich anhand der Rüstungen und des Kopfschmucks in Rang und Funktion unterscheiden konnte. Wir haben erfahren, dass eigentlich alle der Soldaten früher zerstört worden sind und alle, die die jetzt stehen, das Ergebnis langer und komplizierter Restaurierungsarbeiten sei. Witzig fand ich auch kleine Höhlen, die zwischen den Soldaten waren. Hier haben spätere Bauern ihre Verstorbenen beerdigt, ohne, dass sie auf die Tonkrieger gestoßen sind. Wir sind noch durch zwei weitere Hallen gelaufen und haben u.a. die Entdeckungsgeschichte erfahren. Der erste Kopf wurde von Bauern bei Bohrungen für einen Brunnen entdeckt. Nachdem sich herausgestellt hat, was diese dort gefunden hatten wurden sie großzügig belohnt (umgerechnet 35 Euro insgesamt für sieben Menschen) und natürlich wurde ihnen das Recht zur Bewirtschaftung ihres Ackerlandes wieder abgenommen und die jetzige riesengroße Parkanlage gebaut. In kommunistischen Staaten ist das ohne weiteres möglich, denn das Land gehör ja sowieso dem Volk. In einer letzten Halle wurden noch diverse Kunstgegenstände aus einer anderen Grabungsstelle ausgestellt, darunter auch zwei Bronzegespanne, die jede Menge technische Details aufweisen, welche den Fortschrittsgrad der damaligen Kultur aufzeigten.
Im Anschluss an ein Mittagessen wurden wir dann zu einem Grab eines Kaisers aus der Han-Zeit gefahren. Dieses bestand eigentlich aus zwei Grabhügeln (einen für seine Frau) und beeindruckte durch diverse Grabgaben, welche in Gräben außerhalb des Grabhügels gefunden worden sind. Um diese ausstellen zu können wurde ein unterirdisches Museum mit gläsernen Fußböden gebaut, über sie man über die Gruben laufen konnte. Einige der Sachen waren ganz interessant, wie zum Beispiel viele Puppen und eine gewaltige Herde an Haus- und Nutztieren. Aber wir waren insgesamt schon ziemlich müde durch das ganze Herumgereise und so brachten wir der Grabstelle wahrscheinlich nicht das gebührende Interesse entgegen und wurden danach zum Flughafen gefahren.
Meiner Meinung nach lohnt es sich nicht nach Xi’an zu fahren, auch nicht für die Terrakottaarmee Diese Stadt hat mir überhaupt nicht gefallen.

Freitag, 8. August 2008

7.5 China live – „Meiyou“

„Meiyou“ ein Wort, das wohl jeder, der schon mal in China war, kennt. Man hört es immer wieder. Mal wenn man was Tolles zum Essen bestellen möchte, mal wenn man einfach nur eine Tüte für seine Einkäufe haben möchte oder wenn man nur eine aufladbare Karte für die U-Bahn in Shanghai haben möchte.
Die meisten, die dieses Wort noch nie gehört haben, werden sich jetzt denken können, worum es geht: Meiyou heißt soviel wie „gibt es nicht“, „haben wir nicht“, „bekommst du nicht“, „ist grad aus“,…
Anfangs hatte ich das Wort öfter mal wahrgenommen, aber ich habe es nie wirklich als schlimm empfunden, bis ich mit Dea nach Putuo Shan gefahren war. Dort wollten wir schön essen gehen und haben auch ein typisch chinesisches Restaurant gefunden und wollten gerade loslegen zu bestellen, da kam nur „Meiyou“ und zwar bei fast allen Gerichten, die wir ausgewählt haben. Zum Schluss gab’s dann Reis und eine Nudelsuppe, weil die waren nämlich „You“. Auf der gleichen Insel wollte ich in einem Laden, wo vorne groß „China Mobile“ draufstand mein Handy aufladen. Leider war das Verständnis der chinesischen Verkäuferinnen auch „meiyou“, so dass ich mein Handy nicht aufladen konnte…grrr.
Mittlerweile ist es schon zu einem sarkastischen Scherz bei uns avanciert, zu allem was man anfragt erstmal mit „Meiyou“ zu antworten.
Das man nicht immer das bekommt, was man in einem Laden eigentlich bekommen sollte und mit einem einfachen Wort „Meiyou“ abgekanzelt wird, das ist eben „China live“.

4.10 Unterwegs – Hangzhou (15.07. - 17.07.2008)

Am frühen Morgen ging es also los auf den weg nach Hangzhou. Wir waren mal wieder überpünktlich beim Terminal und warteten, dass unsere Fähre ausgerufen würde. Als dies endlich geschah und wir mit unseren Koffern zu dem kleinen Boot gegangen sind, wollten wir mit unseren großen Koffern einseigen. Da winkte uns einer der Stewards auf die Seite und den Weg auf das Vorderdeck des Schiffes. Hier legte er unsere Koffer hin! Wir waren damit gar nicht einverstanden und nach längerem Hickhack hat er sich dann doch erweichen lassen, dass er wenigstens ein Tau um unsere Koffer bindet. Da wurde uns das erste Mal so richtig klar, dass unsere Koffer wohl nicht mit uns in der Fahrgastkabine fahren würden, sondern im Freien. Trotz der Zusage des Captains unsere Koffer im Auge zu behalten, hatten wir die ganze Fahrt über die Fenster beobachtet in der Furcht, dass ein großer roter Koffer daran vorbeigeflogen kommt, was zum Glück nicht passierte. Danach lief alles halbwegs glatt. Der Fahrer, der uns von der Fähre abgeholt hat, musste nur noch vom Reiseveranstalter davon überzeugt werden, dass er uns doch bitte die Zugfahrkarten, die wir für die letzten 150 km nach Hangzhou brauchten, holt, dann fuhr der Zug auch schon los.
In Hangzhou angekommen sind wir dann gleich ins Hotel weitergefahren, wo Dea sich ein wenig erholt hat, während ich mir die Umgebung angeschaut hab und endlich herausgefunden habe, wie man sein Handy in China aufladen kann. Zum Abendessen haben wir uns überlegt, dass wir nach drei Tagen Hardcore-Chinese-Food gerne mal wieder etwas westliches Essen wollen würden und haben auch direkt am Westsee ein Areal gefunden, wo genau diese Wünsche der Ausländer bedient werden. Es gab lecker Pizza und lecker Rotwein. Danach noch ein kleiner Bummel entlang des Westsees und nach längerer Taxisuche wieder ins Hotel, um in der Hotelbar noch ein Bier zu trinken.
Am nächsten Morgen haben wir dann „Berlin“ kennen gelernt, den besten Guide, den wir die ganze Reise über hatten. Er hat gleich angefangen uns Sachen zu erklären und hat damit eigentlich auch, bis wir am nächsten Tag ins Flugzeug gestiegen sind, nicht mehr aufgehört. So wissen wir jetzt auch, dass Hanghou zu den Ancient Cities in China gehört, weil es einmal Hauptstadt gewesen ist und zwar von 1127 bis 1279 in der südlichen Song Dynastie. Richtig lieb gewonnen hatte er uns, als wir auch mal ein paar Fragen zu den Dingen gestellt haben, die er uns erzählt hat. (Zum Beispiel: Warum gibt es nur in China Pagoden, was ist denn mit Indien und Thailand?)
Die erste Station auf unserer Besichtigungstour war das Apothekenmuseum. Dies ist eine alte traditionelle Apotheke, die immer noch in Gebrauch ist und von Chinesen auch kräftig frequentiert wird, an die ein sehr interessantes Museum über die Ursprünge und Entwicklung der chinesischen Medizin angeschlossen ist. Man kann viele alte Texte, Fotos und Zubereitungsmethoden bewundern und natürlich auch sind auch tausende Zutaten ausgestellt, u.a. ein ehemaliges Nashorn. Nachdem wir noch einen speziellen Heiltee probiert haben, der echt gut war, sind wir dann durch eine Fußgängerzone speziell für Touristen zum Auto zurückgelaufen.
Bevor wir zum Mittagessen gegangen sind hatten wir noch zwei Programmpunkte auf unserem Plan: Die Six Harmonies Pagode und die Teefarm. Die Pagode befindet sich etwas außerhalb der Stadt direkt am Fluss. Sie ist ziemlich groß und sechseckig, was wohl typisch für die Pagoden des südlichen Chinas ist. Südlich meint alles unterhalb vom Jangtse. Witzig ist auch einer der Gründe, warum Berlin meint, dass die Südchinesen den Nordchinesen voraus sind, ist das Anbringen von Glocken bei jedem Dachvorsprung der Pagode, also sechs pro Etage. Diese dienten u.a. der Abschreckung von Tauben und sonstigen Vögeln, weil die sich durch das ständige Gebimmel durch den Wind dort nicht hingetrauen. In Nordchina müssen sie Netze spannen. Aufgrund von Temperaturen von 37 Grad im Schatten haben wir darauf verzichtet auf die Pagode zu steigen und sind dann weiter zur Teeplantage gefahren. Hier sind wir wiederum durch ein Museum gelaufen, durften danach aber einem richtigen Highlight der Reise beiwohnen, einer Teeprobe. Hier wurde uns gezeigt, wie man welchen Tee trinkt und wie man ihn richtig zubereitet. Wir durften Grünen Tee, Oolong Tee und schwarzen Tee probieren, wobei mir der halbfermentierte Oolong Tee am besten geschmeckt hat. Wir haben davon auch eine kleine Probe mitgenommen, mal schauen, ob ich noch irgendwo de richtigen Tassen und Kannen herbekomme, dann muss ich das auch mal versuchen.
Nach dem chinesischen Mittagessen ging es dann endlich zur Hauptattraktion von Hangzhou, dem Westsee. Dieser See diente den anderen 35 Westseen in China als Namensgeber und er ist mit seinen Weidenbäumen entlang der drei Dämme wirklich wunderschön. Wir sind erst durch einen sehr schön angelegten Park gelaufen, in dem früher der Kaiser Vögel und Fische fütterte. Nach einer kleinen Toilettenpause für Andrea und einer Schattenpause für mich, sind wir dann auf ein Ausflugsboot gestiegen und haben einmal den Westsee umrundet. Dabei sind wir auch an den „Drei Weiher spiegeln den Mond“ vorbeigefahren. Dies sind nicht, wie man vermuten würde drei sehr ruhige Teiche, sondern drei kleine Pavillons (ich würde Bojen sagen) die in dem See stehen. Die sind sogar so berühmt, dass sie auf einem Geldschein aufgedruckt sind. Naja.
Nach der Bootsfahrt sind wir dann mit dem offiziellen Teil der Stadtführung fertig gewesen und haben uns entschlossen noch einen gemütlichen Spaziergang über den 2 Kilometer langen Su-Damm zu machen. Hier konnten wir am Ende noch Felder von Lotuspflanzen bewundern, welche aber leider noch nicht ganz aufgeblüht waren, dafür waren wir zwei Monate zu früh. Nachdem wir dann noch auf einem Seidenmarkt gewesen sind, ging es durch das riesige Universitätsviertel (für 120.000 Studenten und 60.000 Professoren) wieder zum Hotel gefahren.
Am Abend haben wir uns dann für die etwas noblere Variante der Pizzeria vom Vortag entschieden und haben sehr lecker gespeist. Ausklingen ließen wir diesen sehr eindrucksvollen Tag dann auf dem Nachtmarkt von Hangzhou. Hier konnten wir noch recht günstig einen Gürtel für mich erstehen, haben aber nicht mehr langen nach weiteren Sonderangeboten geforscht und sind wieder heim. In Hangzhou gibt es die einzigen Taxis, die ich bisher gesehen habe, bei denen man einen Solidaritätsyuan für die erhöhten Kraftstoffpreise bezahlen muss. Habe ich sonst nirgends gesehen und Benzin kostet überall das gleiche…
Am nächsten Tag sind wir dann pünktlich zum Flughafen gebracht worden, wobei uns Berlin noch erzählt hat, warum die Häuser hier so komische Antennen haben. Hier haben nämlich viele Häuser lange Antennen auf dem dach, auf die drei Kugeln gesteckt worden sind. Diese symbolisieren angeblich einen unverheirateten Mann, der 3 Millionen Yuan mit in eine potentielle Ehe bringen würde. Irgendwie waren auf fast allen Häusern diese Antennen zu finden, würde ja für den Männerüberschuss in China sprechen. Nachdem Berlin noch den Fluggästen vor uns beim Einchecken geholfen hat, damit wir schneller zum Gate kommen, mussten wir dann trotzdem noch eine Weile warten, bis der Flieger dann endlich das Rollfeld verlies, so um die 2 Stunden…:-(
Trotz allem hat mir die Stadt sehr gut gefallen und ich kann nur jedem empfehlen hierher einen Abstecher zu machen. Es lohnt sich.