Donnerstag, 22. Januar 2009

4.26 Unterwegs – Chongqing/Jangtse (25.12. – 28.12.2008)

Nachdem wir Weihnachten in der Ferne verbracht haben, sind wir am 25.12. nach Chongqing aufgebrochen. Dies war mein Weihnachtsgeschenk an Dea (und mich natürlich), denn ich wollte in meiner Chinazeit einmal in der größten Stadt der Welt gewesen sein. Chongqing gehört nämlich zu den vier regierungsunmittelbare Stadt in China, welche wie Hamburg oder Bremen in Deutschland keiner größeren territorialen Einheit zugeordnet sind, und es leben 32 Millionen Menschen hier. Das ist erstmal eine gewaltige Zahl, um das ein wenig abzumildern muss man sagen, dass die Stadtgrenzen eine Fläche, die fast so groß ist, wie Österreich, umschließen. Der Ballungsraum um und mit Chongqing als Stadt (die man auch als solche erkennt) fasst 7 Millionen Menschen, der Rest verteilt sich auf die überwiegend ländlichen Strukturen im Umland. 7 Millionen hört sich erstmal nicht mehr ganz so beeindruckend an, ist aber immer noch doppelt so groß, wie beispielsweise Berlin.
Am Flughafen angekommen wurden wir auch gleich von unserem Guide abgeholt und mit auf eine kleine Stadtbesichtigung genommen. Wir haben ein Spaziergang durch ein altes zurzeit noch bestehendes Viertel gemacht, welches uns das normale chinesische Leben gezeigt hat. Es war toll mal einen echten Markt zu sehen, auch die vielen Küchen, Schnapsstuben und kleinen Handwerksläden haben mir gefallen. Eine Schneiderin, die mit einer alten Siegel-Nähmaschine genäht hat, hat es Dea sehr angetan. Nach diesem Bummel ging die Führung weiter zu der Volkskonzerthalle, einem großen runden Kuppelbau, in dem 4.000 Leute die Vorstellungen genießen können. Von außen ist das Gebäude dem Himmelstempel in Beijing nachempfunden.
Zum Abendessen gab es dann Hotpot. Hierauf hatte ich mich eigentlich am meisten gefreut, denn Chongqing gilt als die Heimat des Hotpots. Leider wurde ich aufgrund des Geschmacks etwas enttäuscht. In Nanjing ist der Hotpot schärfer und besser. Ein kurzes Schlusswort zu Chongqing, denn jetzt folgte die Einschiffung und damit das eigentliche Geschenk...eine Jangtse-Kreuzfahrt. Chongqing hat mir als Stadt sehr gut gefallen, weil hier die Hügel auf denen die Stadt steht und die Flüsse, die durch sie fließen, sehr zu deren Erscheinungsbild beigetragen haben. Es wirkt nicht wie eine andere 08/15-Grossstadt in China.
Der Jangtse ist der drittgrößte Fluss der Erde und hat im weiteren Flusslauf von Chongqing aus die drei Schluchten geformt. Aber erstmal mussten wir unser Zimmer beziehen. Da wir zu den ersten Gästen gehörten, konnten wir noch wählen, ob wir von einem Standartraum in einen Luxusraum bzw. eine Suite upgraden wollen, was wir dann im Endeffekt auch getan haben. Das Badezimmer gab den Ausschlag :-). Wir haben dann also unseren „Luxusraum“, welcher doppelt so groß war, wir eine normal Kabine, bezogen und bald darauf auch die restlichen deutschen Gäste kennen gelernt, welche auch mit auf dem Schiff waren. Unser Guide auf dem Schiff, Christian, hat sich dann auch vorgestellt und pünktlich am nächsten Morgen haben wir um 07:50 abgelegt. Durch unser Upgrade konnten wir einfach im Bett liegen bleiben und Chongqing an uns vorbeiziehen lassen. Den folgenden Tag haben wir fast gänzlich gefaulenzt, denn sogar der Reiseführer sagte, dass diese Passage des Jangtses eher langweilig ist. Der Höhepunkt des ersten Tages war der Landgang zur Geisterstadt. Ich schon voller Erwartung auf eine alte Bergbaustadt, a la Wilder Westen, bin leider einer undeutlichen Übersetzung zum Opfer gefallen. Wörtlich müsste man es als Stadt der Geister bezeichnen, welche leider keine Stadt ist, sondern ein Tempel und der Name geht auf Geistliche zurück, die hier durch Meditation in den Himmel aufgefahren sein sollen. Naja, mal wieder ein Tempel. Leider wirken alle Tempel in China ziemlich gleich, weil sie auch alle der Kulturrevolution zum Opfer gefallen sind und damit erst in den letzten Jahren wieder aufgebaut oder ausgestatten worden sind. Somit auch dieser, wenngleich dieser noch eine Besonderheit hatte. Hier muss man drei Prüfungen bestehen, sonst kommt die Seele nicht mehr zurück und wird in die Hölle geschickt: 1. Prüfung: Über einen Graben führen drei Brücken. Hier die richtige auswählen und mit exakt 9 Schritten rüberlaufen. Die mittlere ist die richtige Variante. 2. Prüfung: Eine Türschwelle mit dem richtigen Bein übersteigen. Männer mit rechts und Frauen mit links (oder umgekehrt) und die dritte Prüfung: Auf einem Bein drei Sekunden auf einer in den Boden eingelassenen Halbkugel balancieren und dabei die Statue des Herrn des Himmels anschauen...ich hab’s geschafft. Am Ende haben wir dann noch die Statue im Tempel bewundert und sind dann Darstellungen der Hölle, welche höchstwahrscheinlich aus einem Buch mit christlichen Vorstellungen über die Hölle übernommen worden sind, wieder auf den Weg zurück zum Schiff. Abends gab es dann noch das „Captain’s Dinner“, bei dem sich die anderen Deutschen mit uns am Tisch davon überzeugen konnten, dass man das chinesische Essen wirklich am leichtesten mit Stäbchen und nicht mit Messer und Gabel essen kann.
Am nächsten Vormittag begann dann er eigentliche Hauptpart der Reise, die Einfahrt in die erste und kürzeste der drei Schluchten. Diese ist auch auf der Rückseite der 10 RMB-Scheine abgebildet, aber nicht mehr halb so eindrucksvoll, wie sie mal gewesen sein musste. Der Drei-Schluchten-Damm hat das Wasser hier um 90(!) Meter aufgestaut und wir waren noch eine halbe Tagesreise von ihm entfernt. Trotzdem war die Schlucht ganz schön. Leider war das Wetter nicht ganz perfekt, denn es war recht neblig, so dass man nicht in die Ferne schauen konnte. Nachdem wir zu Mittag gegessen hatten, ist das ganze Schiff – also alle Gäste - zu einer Shoreexpedition in die drei kleinen Schluchten aufgebrochen. Hier konnten wir wunderbar sehen, was die Stauung des Flusses für die Bevölkerung bedeutet, denn alle Menschen, die hier gelebt haben (90 – 100 Meter unter dem Wasserspiegel) mussten umgesiedelt und in neue Heime gesteckt werden. So wurden Großstädte für mehrere 10.000 Menschen, aber auch kleinere Dörfer auf den Bergkuppen aus dem Boden gestampft. Überall sind Brücken im Bau, die die verschiedenen Stadtteile und somit die Menschen miteinander verbinden. Generell sind die Städte aber nicht schön, sondern gleichen dem, für was sie gedacht waren: möglichst schnell, möglichst viel Platz für möglichst viele Menschen zu bekommen. Der Höhepunkt der kleinen Schluchten sind am Ende die hängenden Särge. Auch hier hatte ich mir etwas anderes vorgestellt. Ich dachte die Särge hängen an dicken Seilen hängend über die Bergkämme und alles wirkt sehr spannend und einmalig. Einmalig sind diese Särge bestimmt, aber gesehen haben wir sie nicht. Die sind nämlich in kleinen Höhlen in der Felswand gelegt worden...von wegen hängend...und man konnte sie auch nur erahnen. Wie diese Särge überhaupt entdeckt worden sind, als das Wasser noch 100 Meter tiefer gewesen ist, ist mir ein Rätsel. Vom Wind und der Kälte eingermaßen durchgefroren ging es dann wieder aufs richtige Schiff und wir starteten in die zweite der drei Schluchten. Diese war interessanter, weil wesentlich höher, aber auch hier blieb das absolute Erlebnis aus. Um 22:50 Uhr begann dann einer der ganz großen Höhepunkte der Reise: die Einfahrt in die Schleuse des Drei-Schluchten-Damms. Die Schleuse ist wirklich riesengroß und es war sehr beeindruckend, wie wir sich die Tore schlossen und wir immer tiefer sanken. Anhand einer Skala konnte man recht genau beobachten, wie tief man schon gesunken ist :-). Insgesamt ging es in der ersten Stufe so um die 20 Meter nach unten (wie groß müssen die Schleusentore sein?) und es folgten noch vier weitere Steps nach unten.
Am nächsten Tag wachten wir gut vertäut an der nächsten Anlegestelle unterhalb des Damms auf und begannen unsere Tour zu den Aussichtspunkten in der Nähe des Damms. Der anhaltende Nebel ließ den Damm in der Ferne verschwinden, so dass man nicht genau bestimmen konnte, wie groß der Damm wirklich war. Auf jeden Fall ein sehr imposantes Bauwerk und es war toll einmal dort gewesen zu sein, auch wenn man es nicht in voller Länge bewundern konnte. Christian hat uns noch viele Fakten über den Damm erzählt, auch, dass er kein Befürworter des Damms ist (hört, hört), und nach vielen geschossenen Bildern ging es wieder zurück aufs Schiff, wo wir dann zur Mittagszeit in Yichang landeten, unserem Zielort. Hier gab es noch ein lecker Mittagessen und einen kleinen Aufenthalt in einem lokalen Kunstmarkt (gestickte Nachahmungen berühmter und weniger berühmter Bilder – toll!) und schließlich den wohl kleinsten Verkehrsflughafen, den ich bisher kennen gelernt habe. Über Shanghai ging es dann mit dem Zug nach Hause. Das waren mal besondere Weihnachten.

Dienstag, 13. Januar 2009

7.12 China live - Gedanken eines Taxigastes

So! Kurzer Check: Ist alles vorbereitet? – Küche: aufgeräumt und gespült; - Schlafzimmer: Bett frisch bezogen; - Bad geputzt und frische Handtücher; - Wohnzimmer aufgeräumt…naja, aber passt schon, aber ich muss jetzt auch los…brrr ist das kalt, hätt ich mir doch etwas Dickeres angezogen…wo sind denn die blöden Taxis? Sonst sind doch immer so viele hier in der Gegend, aber natürlich nicht dann, wenn ich eines brauche…das gibt’s doch gar nicht, jetzt ist schon das zweite freie Taxi an mir vorbeigefahren, Kunde droht mit Umsatz, also lieber schnell die Flucht ergreifen, oder was??…ahhh endlich hält mal einer an…“Ni hao, shifu, wo yao qu ji chang.“und los geht’s. Erstmal entspannen…was macht er denn jetzt, wieso biegt er ab, das ist doch die komplett falsche Richtung „Shifu, ni qu zai nar?“-„Huochezhan“, hab ich etwa Bahnhof gesagt? – ne, das hab ich nicht! „Shifu, ting che! Wo yao qu Lukou feijichang“-„jichang?!?“-„FEI JI CHANG“ – „Ahhh, feijichang, wo zhidao“, sagts und fährt in die richtige Richtung weiter…kopfschüttel, das hab ich ihm doch die ganze Zeit gesagt, ich glaub, der will mich einfach nicht verstehen…jetzt aber erstmal Ruhe…warum biegt der denn jetzt hier ab? Geht das schon wieder los?...was fuchtelt der denn so mit seinen Armen…“Was?“…das gibt’s doch nicht…was macht der?...Ahhh eine Tankstelle, jetzt macht es einen Sinn, er muss noch tanken…hat er das Taxameter ausgestellt – natürlich nicht…ich habs doch eilig und die Taxis stehen in einer langen Schlange an…das gibt’s doch nicht…“Shifu!!!! Bu yao. Qu feijichang!!!“…jetzt lächelt er…ich steig gleich aus und such mir ein neues Taxi, wär ja nicht das erste Mal…und weg ist er und lässt mich hier alleine sitzen…ok, weiter geht’s, hat er es doch eingesehen…dann komm ich ja doch noch pünktlich…schon wieder Stopp, wir sind doch grad erst 100 Meter gefahren – langsam glaub ich der will mich verarschen…jetzt fährt er rückwärts in die Tankstelle…er drängelt also vor…wo bleibt der Tankwart…aha, jetzt geht die Kühlerhaube auf, also ein Gastaxi…gut, dann dauert es nicht so lang…einmal voll tanken für 3 Euro, man das könnten die auch in Deutschland mal einführen…so jetzt aber ab „Kuai le ba, Shifu“, „Hao, Hao, Hao“…er hat mich verstanden, dann kanns ja jetzt endlich losgehen…oha, jetzt macht er ja wirklich ernst…kreatives Fahren, naja, Hauptsache ich bin bald da…was macht er denn jetzt auf der Gegenfahrbahn, Need for Speed lässt grüßen, oder Meister, ach ja stimmt. Wenn man auf der Gegenfahrbahn über eine rote Ampel fährt, dann wird man nicht geblitzt, gar nicht doof, mit etwas weniger Verkehr wär mir das trotzdem lieber…Highway, jetzt kann er nicht mehr ganz so abenteuerlich fahren, noch 28 km, dann hab ich’s ja geschafft…puhh…so jetzt nur noch ankommen…was? Jetzt fängt der auch noch an sich mit mir unterhalten zu wollen…neee, da hab ich jetzt aber gar keine Lust drauf, der soll lieber Gas geben, also mal wieder den Konversationskiller anwenden…“Ting bu dong“…und weiter geht’s…bremst der etwa, der wird doch nicht wirklich bei den Lichtern bremsen. Das weiß doch jeder, dass das kein Polizeiauto ist, sondern nur eine Attrappe, eigentlich nur ein Blaulicht auf einer Stahlstange…komm, min Jong, gib Gas jetzt…endlich – das Toll Gate…jetzt drück ihm schon die 20 RMB in die Hand und fahr weiter…noch 3 km…ahh, das ist es ja, was will er haben 100 RMB, dann ist er ja doch noch ganz gut gefahren, wenn man den Umweg über die Tankstelle mitzählt…Hier hast du die 120RMB und weg…“Zai Jian“ – „bye bye“…kann also doch ein wenig englisch…egal, jetzt schnell zur Ankunftshalle…30 Minuten Verspätung…da hab ich ja noch mal Glück gehabt…also warten…was machen denn die Chinesen bei der Ausgangstür…kopfschüttel…Leute, wenn ihr euch alle vor die Tür stellt kommen die Leute doch nicht mehr raus, aber soweit denkt ihr ja nicht…wo sollen eure Leute denn hin sein, meint ihr die sind vorher ausgestiegen, oder was? Aus einem Flugzeug…manchmal sind mir diese Leute echt suspekt…na klar, wenn ein paar davor stehen, dann heißt das ja, dass sich der Rest auch davor stellen kann…“Hey Gregor, was machst du denn hier“ – „Ach deine Freundin kommt auch mit dem Flieger, ist ja cool“…so jetzt wird’s aber langsam Zeit…Na, die Chinesen werden unruhig…und da sind ja schon die ersten…ist doch immer wieder herzzerreißend, wie überschwänglich die Söhne ihrem Vater die Hand schütteln…manchmal seid ihr echt zu steif, Leute…Ahhh, da ist ja Dea…kommt sie durch die Menge durch?...ja hat alles geklappt…“schön, dass du da bist“…jetzt aber schnell ins Taxi und nach Hause…das ist das wahre China… :-)

10.6 Alltag – Nanjing im Herbst

Ich hatte im Vorfeld meines Chinaaufenthaltes gehört, dass es in Nanjing keinen Herbst geben solle. Ich konnte das nicht so recht glauben und war entsprechend überrascht, dass diese Behauptung tatsächlich stimmt. In der Stadt gibt es keinen Herbst. Die Bäume, die an den Straßen stehen verfärben ihre Blätter nicht. Diese behalten ihr grün-grau, vom ganzen Staub, der sich darauf ablagert, trocknen aus und fallen dann getrocknet, aber immer noch grün-grau herunter. Hier kommt dann auch bald eine fleißige Straßenkehrerseele und sammelt die heruntergefallenen Blätter auf und man bekommt davon so gut wie gar nichts mit.
Damit wollte ich mich als Herbstliebhaber aber nicht zufrieden geben und habe ein wenig gesucht und dann doch noch meine bunten Blätter gefunden. Bei eine Ausflug auf den Purple Mountain zu dem dortigen Grab eines Mingkaisers konnte ich mich davon überzeugen, dass es doch herbstlich zugehen kann in Nanjing. Entlang des Seelenweges mit ganz vielen Tierstatuen schimmerten die Blätter in Goldgelb und weiteren Farben.
Ich habe auch vom QiXia Berg gehört, welcher bequem mit dem öffentlichen Bus zu erreichen ist. Eine Stunde Fahrt für ganze 20 Cent und man kommt direkt an den Eingang der Klosteranlage. Diese ist angeblich schon ziemlich alt und ist einer vier bekannten scenic spots für rote Blätter in China. Hier gibt es, wenn man ein wenig über den Berg wandert tatsächlich Ecken, in denen die Bäume strahlend rote Blätter haben. Natürlich gibt es hier auch die üblichen Tourispielchen, wie Bogenschießen oder Spickern oder mit Bällen auf Stoffhunde werfen. Und halt diese Flecken mit den vielen Bäumen und ihren roten Blättern. Die Mönche sind sich ihres Bekanntheitsgrades durchaus bewusst und pflanzen weitere dieser Bäume und das wohl schon seit einiger Zeit, denn die Bäume sind nicht wirklich alt. Egal, denn es hat mir da oben so gut gefallen, dass ich sogar zweimal dort war und auch die Ute und den Stefan überzeugen konnte mit mir zu kommen. Es gibt also doch Herbst in Nanjing.

4.25 Unterwegs – Beijing (29.11. - 30.11.2008)

Um meine kulinarischen Erfahrungen ein wenig weiter zu bringen, hatte ich beschlossen noch einmal nach Beijing zu fahren. Zum einen wollte ich einmal eine richtig Peking Ente und zum anderen auch ein paar exotischere Dingen essen bzw. probieren. Die passende Gelegenheit gab es am letzten Novemberwochenende, also zum ersten Advent. Nach einer kurzen Absprache mit meiner Kollegin Ines, die in Beijing lebt und Stefan, der einen Dienstreise nach Korea gemacht hat und einen laengeren Zwischenstop in Beijing einlegen wollte, ging es am Freitag los.
Um auch einmal in den Genuss eines Nachtzuges in China zu kommen, hatte ich mich entschlossen die Hinreise auf diesem Weg anzutreten. Der Zug und auch die Betten waren komfortabler, als ich das erwartet hatte. Punkt halb 12 ging ueberall im Zug das Licht aus und morgens wurde man mit Musik geweckt.
Nach kurzen Orientierungsschwierigkeiten kam ich dann bei Ines in der Wohnung an und musste auch gleich wieder aufbrechen. Es ging zum Weihnachtsmarkt in der Deutschen Botschaft. Hier mussten wir ein wenig vor den Tueren warten, hatten aber noch Glueck, denn hinter uns wurde erstmal dichtgemacht. Aber das sollte uns egal sein und wir begaben uns gleich auf die Suche nach dem Gluehweinstand. Hier wurde der Gluehwein von dem deutschen Botschafter und dem CEO von Siemens China ausgeschenkt. Leider gab es keinen Siemens-Rabatt :-(. Der Weihnachtsmarkt an sich war eine tolle Sache. Zum einen kam bei den ganzen deutschen Essen (VW-Currywurst, Daimler-Dampfnudeln, gebrannte Mandeln,...) bei mir ein wenig die Sehnsucht nach der Heimat durch, ausserdem waren hier soviele Deutsche, wie ich es schon gar nicht mehr gewoehnt war. Auch ein Posaunen und ein Gospelchor wurden organisiert und man konnte Gestecke, Adventskraentze und Lebkuchenhaeuser kaufen. Zum anderen gingen die gesamten Erloese an einen guten Zweck und somit haben wir uns bemueht, gerade am Gluehweinstand, viel dazu beizutragen.
Den Abend haben wir dann bei einem Essen in den Hutongs eingeleitet. Hier gibt es ein Peking Enten Restaurant mit einer langen Tradition. Versteckt in einer dunklen Gasse und nicht ausgeschildert habe wir den Laden schliesslich gefunden, unser VIP-Zimmer bezogen und dann in grosser Runde gegessen. Es war total lecker und auch die besondere Art des Essens einer Peking Ente haben mir gefallen. Man legt das Fleisch, was vorher von einem Koch von der im Ganzen gebratenen Ente heruntergeschniten worden war, in einen kleinen Pfannkuchen. Dann kommt noch eine Art Pflaumensosse und ein wenig Gruenzeug dazu und so wird das dann als Wrap gegessen. Nach vier Enten und noch diversen Nebengerichten und natuerlich viel Gelaechter brach dann die ganze Truppe von 12 Leuten auf in einen Club namens Obiwan. Hier fand an diesem Abend eine deutsche Schlagerparty mit Freibier statt und wir feierten bis vier Uhr morgens.
Am naechsten Tag und nach einem kraeftigen Chilifruehstueck haben wir dann einen Spaziergang durch die Hutongs gemacht. In dieser gegend war ich waehrend meiner Rundreise schon gewesen, habe aber von dem Teil, durch den wir nun spazierten, nicht viel mitbekommen. Im Anschluss daran hab sind wir dann endlich in die einzige Fussgaengerzone von Beijing gefahren und in einer Seitengasse gibt es ganz viele „Spezialitäten“. Ich hab mir gleich einen Spiess mit Skorpionen geholt, die, bevor sie in das siedende Öl getaucht worden sind, noch gelebt haben und gezuckt haben, wenn man sie leicht angepustet hat. Vom Geschmack her schmecken sie eher nach nichts, als der Soße. Ich hab mir dann noch einen Spieß mit Seidenraupenmaden und einen Seestern am Spieß geholt. Beides war nicht wirklich lecker, aber so was kann man ja bekanntlich erst sagen, wenn man es mal probiert hat. Ganz tapfer war auch Stefan, der zumindest den Seestern und die Skorpione probiert hat, mit schneeweißem Gesicht :-)
Nach dieser Naschaktion ging es dann zum Flughafen und wieder ins heimische Nanjing. Ich konnte an diesem Wochenende jede Menge von den Dingen erledigen die ich hier noch machen wollte und habe mich über so viel deutsches Kulturgut so fern der Heimat gefreut.

Dienstag, 6. Januar 2009

4.24 Unterwegs – Papa und Kathrin in Shanghai (07.11. – 09.11.2008)

Nach zwei Tagen in Nanjing und Suzhou hieß es dann am Freitagmorgen: Auf nach Shanghai. Hier wurden wir pünktlich von unserem sichtlich überraschten Guide am Bahnhof angeholt. Er hatte nur mit zwei Personen gerechnet und auf einmal waren wir zu dritt. Aber dieses Missverständnis konnte schnell aufgeklärt werden und wir fuhren durch strömenden Regen zu unserem Hotel und dann weiter zum Essen. Der Reiseveranstalter hatte sich etwas Besonderes einfallen lassen und hat uns zum Teppanyaki geschickt, leider habe ich am Vorabend den gleichen Gedanke gehabt…egal, lecker war’s trotzdem.
Danach fing der Touriteil an. Erste Station Yu Yuan (Yu Garden). Eine der großen Attraktionen von Shanghai und auch im Regen schön. Bevor man hinein geht muss man sich durch eine große Touristenfalle mit angeschlossenem Fake-Markt schlagen, danach kann man über eine der berühmten Zick-Zack Brücken an einem Teehaus vorbei in den Garten gelangen. Der Garten an sich ähnelt denen in Suzhou, allerdings kann man manchmal die Skyline von Pudong sehen, was ihn dann doch besonders macht. Mir persönlich haben die in Stein gehauenen Geschichten auf den Dächern gefallen. Unser Guide Bruno hat uns dann noch erklärt, dass die Bonsaikunst eigentlich aus China stammt und von den Japanern „entführt“ wurde. Allerdings legt es die chinesische Bonsaikunst nicht auf das Kleinhalten von Bäumen an, sondern auf eine schöne Form.
Nach dem Garten mussten wir dann aufgrund des Regens ein paar Programmpunkte streichen und haben eine kleine Rundfahrt auf dem Huangpu gemacht. Entlang an der Skyline und wieder zurück. Diese Fahrt hatte etwas besonderes, denn man konnte die ganzen Spitzen der Hochhäuser nicht sehen. Die Wolken hingen einfach zu tief.
Etwas mehr Glück hatten wir dann nachts, als es dunkel war und wir fertig waren mit Abendessen sind wir noch mal zum Bund gelaufen und konnten die obligatorischen Fotos doch noch machen.
Der nächste Tag war geprägt dem Geburtstag meiner Schwester und von Detlef, einem alten Schachfreund von meinem Vater, der schon seit 12 Jahren in Shanghai lebt und den Aufstieg der Stadt hautnah miterlebt hat. Zusammen mit Klaus, einem weiteren Freund von ihm, hat er uns beim Hotel abgeholt und einen tollen Tag mit uns verbracht. Gestartet wurde mit einem kleinen Bummel über einen Stoffmarkt, auf dem ich mich sogar etwas besser auskannte als Detlef. Meine Schwester hat sich hier zwei Blusen und ein Kleid anfertigen lassen. Danach führte uns Detlef dann auf einen Fake-Markt. Hier hat er durch seine Chinesischkenntnisse sehr gute Preise für uns erzielen können und wir (besonders Papa und Kathrin) haben kräftig eingekauft. Nach einem Nudelsuppenessen fuhr uns sein Fahrer dann nach Tongli, der Wasserstadt nahe Suzhou. Hier haben wir einen langen Spaziergang gemacht und uns dabei u.a. einen der dortigen Gärten angeschaut. Dabei haben wir festgestellt, dass die Fische, die dort in den Teichen schwimmen sogar an die Luft kommen um ihren Artgenossen Futter wegzuschnappen. Aber der beeindruckenste Programmpunkt für mich war das Essen danach im 1221 in Shanghai. Hier gibt es super leckere Shanghaier Küche und unter anderem auch einen Kellner, der einem Tee aus einer Kanne, die bestimmt 2 Meter lang ist, in die Tasse gießt. Hier haben wir uns Kugelrund gegessen. Den Abend haben wir dann in der Blues & Jazz Bar bei einem schönen Erdinger Weißbier ausklingen lassen. Ein rundum gelungener Tag.
Am Sonntag, dem Tag der Abreise der beiden, haben wir neben dem First Fitting auf dm Stoffmarkt noch einen Bummel über den People Square gemacht, wobei die beiden sehr überrascht waren, als wir in die Region des Hochzeitsmarktes gekommen sind. Hier versuchen die Eltern oder Großeltern von jungen Menschen diese an einen passenden Partner zu vermitteln. Danach ging es zurück ins Hotel, wo uns unser Guide leider einige Zeit warten lies, bevor er kam um meinen Vater und meine Schwester zum Bahnhof zu bringen. Ich bin dann zurück zum Stoffmarkt und habe die bestellten und geänderten Stücke abgeholt und bin dann gemütlich zurück nach Nanjing gefahren.
Ich habe mich riesig gefreut, dass es mein Vater und meine Schwester geschafft hatten mich hier in China zu besuchen und ich glaube, dass ihnen der Aufenthalt hier auch gut gefallen hat.

Mittwoch, 24. Dezember 2008

1.5 Weihnachten

Hallo an alle und fröhliche Weihnachten. Wir haben sogar einen Weihnachtsbaum hier in China. Er ca. 50cm hoch und aus Plastik. Mit der ganzen Deko dran sieht er aber fast aus, wie ein echter. Wie haben wir den Weihnachtsbaum bekommen? Wir haben ihn einfach aus der Dekoration eines Kaufhauses herausgenommen. Um an eine Lichterkette zu kommen, hat Dea sogar so lange auf eine Verkäuferin eingeredet, dass diese dann die Lichterkette von einem Ausstellungsbaum heruntergenommen hat. :-)
Heiligabend haben wir abends im Paulaner in Nanjing verbracht. Hier gab es lecker deutsches Essen und ein sehr chinesisches Weihnachtsprogramm: Reise nach Jerusalem, Tortenwettessen, Ein Spiel basierend auf dem Huttanz,…aber es war total lustig. Am Ende hat sich noch Stefan, der Chefkoch im Paulaner zu uns gesetzt und als wir dann mit seiner Frau eine Partie Yenga angefangen hatten, kam auch noch der Braumeister Wolfgang dazu und der Abend hatte einen gemütlichen Ausgang, während auf der Bühne zwischen Travestieshow und Chipmunksparodie gewechselt wurde.
Heue Mittag brechen wir zu einer Jangtsecruise auf und werden am 29.12. wieder zurück sein.
Bis dahin noch ein frohes Fest und bis bald.
Dea & Tobi

Mittwoch, 17. Dezember 2008

7.11 China live – One Child Policy

各位同事,

08年度的独生子女费 及 女职工福利补贴 将于本月底发放。该补贴不计缴个人所得税,将通过银行划入个人工资帐户。

标准为:独生子女费 60元/年
女职工福利补贴 60元/年

为发放独生子女父母奖励金,请大家递交一份《独生子女父母光荣证》复印件到人力资源部 刘晓磊 Room 202 处。非南京同事提供传真件或扫描件即可。登记截至时间:2008年12月19日。
注:子女年龄14周岁截至

So sah die E-Mail aus, die ich bekommen habe. Wie ihr euch denken könnt, habe ich nichts davon verstanden. Auf Nachfrage habe ich dann erfahren, dass die vielen Zeichen da oben folgendes bedeuten: Jeder Mitarbeiter, der ein Kind hat (und nur eines), darf sich zu Weihnachten über 60 Extra RMB freuen, wenn es eine Mitarbeiterin ist, dann bekommt sie oben drauf nocheinmal 60 RMB. Dieses Geld wird von der Firma verteilt, kann aber beim Staat wieder reingeholt werden. Dadurch wird versucht die One-Child-Policy, die es ja bekannterweise hier in China gibt, den Leuten schmackhaft zu machen.
China versucht seine enorme Bevölkerung durch eine ein Paar – ein Kind Strategie nicht weiter anwachsen zu lassen. Dabei gilt folgende Regel: Jedes Paar (außereheliche Kinder gibt es hier ja sowieso nicht), dass zu der Bevölkerung der Han-Chinesen gehört (95% aller Chinesen) und in China lebt, nur ein Kind bekommen darf/soll. Wenn ein Paar aus zwei Einzelkindern besteht, dann dürfen sie zwei Kinder bekommen, um die Versorgung der älteren Familienangehörigen zu gewährleisten.
Sollte ein Paar wieder erwarten doch zwei Kinder bekommen, dann muss es eine Art Strafe zahlen. Diese Strafe begründet sich auf der Annahme, dass dieses Paar die Versorgungseinrichtungen, wie z.B. Kindergärten, ja doppelt nutzt und diese doppelte Nutzung somit bezahlen muss.
Da es diese Politik schon eine Weile gibt, kann man auch schon die ersten Auswirkungen erkennen. Auf dem Land soll es nämlich wesentlich weniger Mädchen als Jungen geben, da ja die Brauteltern für die Mitgift verantwortlich sind bzw. waren. Diese Entwicklung führte zu einem Verbot der Geschlechterbestimmung per Ultraschall durch Ärzte. Meiner Meinung nach dreht sich diese Entwicklung aber wieder um, denn aufgrund von Angebot und Nachfrage habe sich z.B. in Shanghai Hochzeitsmärkte entwickelt. Hier werden Steckbriefe der zu vergebenen Kinder an Büsche gehängt und die Eltern oder Grosseltern suchen dann anhand der Steckbriefe einen passenden Partner für ihre Kinder (die sich auf ihre Karriere konzentrieren sollen). Ist dann ein potentieller Partner gefunden, dann werden erstmal Fotos gezeigt und dann wird gefeilscht: Wer bringt was mit in die Ehe ein? Wer stellt die Wohnung?... Ist man sich irgendwann einig, dann werden erst die Kinder ihren zukünftigen Schwiegereltern vorgestellt und dann dürfen sie sich auch mal untereinander sehen und lieben lernen. Aufgrund der vielen noch zu verheiratenden Jungen ist es momentan recht leicht seine Tochter „günstig“ in eine gut situierte Ehe einzubringen.
Zum Glück haben wir solche Probleme nicht auch in Deutschland, aber das ist eben China live.

Samstag, 13. Dezember 2008

4.23 Unterwegs – Papa und Kathrin in Nanjing und Suzhou (05.11. – 06.11.2008)

So eine Chance lässt man sich nicht entgehen. Das haben sich auch mein Vater und meine Schwester gedacht, als sie erfuhren, dass ich nach China gehe. Nach einem knappen halben Jahr war es dann soweit und der Trip für die beiden begann. Natürlich wollten sie auch mich besuchen kommen, deswegen war Nanjing gleich die zweite Station der beiden auf ihrem Weg durch China.
Kaum hier angekommen mussten sie erstmal auf mich am Flughafen warten, da ich zum einen etwas spät losgekommen bin und zum anderen der Taxifahrer noch tanken gehen musste, bevor er die lange Strecke zum Flughafen in Angriff nahm. Dafür war dann aber die Wiedersehensfreude umso größer. Als wir dann endlich daheim angekommen sind, gab es noch nachträgliche Geburtstagsgeschenke für mich und dann ins Bett, denn am nächsten tag stand Nanjing auf dem Programm.
Nach einem wie immer sehr leckeren Frühstück bei Skyways, der German Backery hier in Nanjing, nahmen wir dann den ersten Programmpunkt in Angriff, die Jangtsebrücke. Leider hat der Taxifahrer uns nicht dorthin gebracht, wo ich hinwollte, bevor ich das aber realisiert hatte, war er schon wieder weg. Er hatte uns an den Beginn der Auffahrt zur Brücke gebracht. Aber da es hier einen Fußgängerweg gab sind wir dann eben den Weg hinaufgelaufen. Auf dem Weg China pur: Gehupe und Gedrängel auf der Straße und sogar auf dem Fußgängerweg musste an aufpassen nicht von einem Motorradfahrer über den Haufen gefahren zu werden. Am Ende haben wir aber auch das geschafft und standen oben auf der Jangtsebrücke. Leider konnte man aufgrund des Smogs nicht genau erkennen, wo das andere Ufer des Jangtses war und auch der Überblick über Fluss und Stadt war eigentlich nicht gegeben. Runter sind wir dann mit dem Lift und einem kleinen Spaziergang durch den Park, durch den ich eigentlich schon hoch laufen wollte. Um unsere Lungen ein wenig frei zu bekommen war unsere nächste Station der Xuanwu-Lake-Park, in dem man über miteinander verbundene Inseln im größten See von Nanjing spazieren kann. Hier konnten wir ein wenig grün genießen und uns sogar noch einen Vogelpark ansehen. Es war halt das, was sich Chinesen unter einem Vogelpark vorstellen und so gab es hauptsächlich weiße Tauben und Pfauen in ‚artgerechter’ Tierhaltung. Arme Viecher. Danach hatten wir dann Hunger und sind in die Innenstadt von Nanjing um dort eine Nudelsuppe zu essen und ein wenig bummeln zu gehen. Nach einem Kaffee bei Starbucks sind wir dann ins Gold&Silver gegangen, um dort den Abschied von Thomas, dem einzigen deutschen Praktikanten in meiner Firma zu feiern. Ausklingen lassen haben wir den Abend dann am Fuzi Miao. Hier ist eine riesige Fußgängerzone um einen Konfuziustempel herum entstanden, in der man sobald es dunkel geworden ist sehr schön chinesischen Kitsch betrachten kann. Alles in bunt beleuchtet oder angestrahlt und man kann eine Bootsfahrt machen, was wir aber nicht getan haben.
Am nächsten Morgen fuhr dann pünktlich um halb 10 der Zug in Richtung Suzhou ab mit uns darin. In Suzhou sind wir zuerst zum Tigerhill gefahren. Ich bin hier vorher schon mal gewesen, so dass ich wusste, dass hier ein schöner Park ist, mit einer steinernen und schiefen Pagode als Mittelpunkt. Durch die immer wieder auftretenden Regenschauer war das Erlebnis natürlich nicht so schön, aber wir haben das Beste daraus gemacht. Wir haben sogar eine Ausstellung von chinesischen Bonsaibäumen gefunden (die Kunst des Bonsais wurde ja ursprünglich in China erfunden und dann nach Japan exportiert). Der Unterschied zu den japanischen Bonsais besteht darin, dass die chinesischen ziemlich groß sein können. Ich glaube den Chinesen kommt es nur auf das schöne Wachstum an und nicht darauf, dass die möglichst klein wachsen. Nach einem Mittagessen, bei dem uns die Wirtin dann noch bescheißen wollte, sind wir dann aufgrund des starken Regens zum Seidenmuseum von Suzhou gefahren. Hier gab es einiges interessantes zum Thema Seide und Seidenherstellung zu sehen, das unbedingte Must-Go, wie es im Reiseführer beschrieben worden ist, war es leider aber nicht und wir waren dort dann auch schnell wieder verschwunden. Als letzten Programmpunkt haben wir uns dann noch den ‚Garten meiner politischen Wenigkeit’ angeschaut. Hier muss sich jemand mit der Übersetzung vertan haben, denn dieser Garten ist ziemlich groß. Eigentlich ist es ein sehr schön angelegter Park, in dem man toll spazieren kann. Mit Wenigkeit hat der allerdings nichts zu tun. Wieder in Nanjing angekommen sind wir noch zu einem sehr leckeren Teppanyaki gegangen und haben es uns schmecken lassen.

Montag, 1. Dezember 2008

10.5 Alltag – Schneider

Es haben sowieso schon alle gehört und trotzdem war ich überrascht, als ich hierher kam. Irgendwann wurde ich einmal mit zu dem Stoffmarkt von Nanjing genommen. Diesen Stoffmarkt kann man sich als ein kleines zweigeschossiges Kaufhaus vorstellen in dem nur Stände mit verschiedenen Stoffen ausgestellt sind. Preise sind natürlich wie so oft hier in China Verhandlungssache und nicht ausgeschrieben. Man läuft also durch die Reihen der Stände und sucht nach einem Stoff, der einem zusagt und dann geht das Verhandeln los. Man startet meist bei ungefähr 120 RMB für einen Meter und geht dann mit einer Ladung Stoff für ca. 35 – 45 RMB nach Hause.
Jetzt wird der Schneider bestellt. Mr. Ma, so heißt er, hat diverse Vorteile: Er versteht teilweise Englisch und er kommt direkt nach Hause. Außerdem sind die Preise auch in Ordnung, denn eine Anzug für Männer kostet 250 RMB, eine Hose 50 RMB und ein Hosenanzug für Frauen 180 RMB, aber nur das Schneidern und Zusatzausrüstung, wie z.B. das Innenfutter bei einem Sakko und die Knöpfe. Somit landet man am Ende bei ungefähr 400 RMB für einen maßgeschneiderten Anzug (ca. 40 – 50 Euro). Da Mr. Ma mittlerweile auch meine Größe ganz gut raus hat, sitzen die Anzüge meist echt super und da ich mir den Stoff ja ausgesucht habe, gefallen mir alle Anzüge bisher super gut.
Ich habe vor mich hier noch mal so richtig mit Anzügen einzudecken, so dass ich für die nächsten Jahre bestens versorgt bin.

Für Hemden fahre ich lieber nach Shanghai, denn hier gibt es auf dem hiesigen Stoffmarkt ganze Läden voller aller erdenklichen Hemdenstoffe. Allerdings kann man die meisten Stoffe nicht mitnehmen, sondern muss vor Ort schneidern lassen. Die messen einen gleich im Shop aus und eine Woche später (eventuell sogar etwas früher) kann man die Sachen dann abholen. Damit man auch eine Woche später noch weiß, welchen Stoff man sich ausgesucht hatte, bekommt man eine kleine Stoffprobe auf den Abholschein geklebt, damit man später noch kontrollieren kann. Die Sachen sind qualitativ sehr gut und ich habe mittlerweile 17 Hemden dort machen lassen und werde für Deutschland auch nochmal gut zulangen, denke ich.

4.22 Unterwegs – Shanghai Formel 1

So mittlerweile hänge ich ganz schön hinterher mit dem Berichteschreiben, ich hatte einfach noch nicht die Muße über das Shanghaiwochenende zu schreiben. Jetzt muss das aber geschehen, weil ich sonst nicht mehr aufholen kann.
Knapp eine Woche war ich wieder in China, da ging es los auf den nächsten Ausflug. Im Vorfeld hatten wir uns schon Karten für den Formel 1 Grand Prix in Shanghai organisiert, denn solch eine Chance lässt man sich dann doch nicht entgehen. Um den Geldbeutel unserer Praktikanten zu schonen haben wir uns entschlossen erst am Samstagmorgen zu starten, so dass wir rechtzeitig zum ersten Qualifying auf der Rennstrecke sind. Das bedeutete, unser Zug fuhr um 06:13 aus Nanjing ab. Unser genereller Treffpunkt ist eine Stunde vor Zugabfahrt und so sollte es auch dieses Mal sein. Leider lag ich zu diesem Zeitpunkt, zwar schon wach, noch in meinem Bettchen. 15 Minuten später, ich musste mich noch fertig machen und packen, konnten wir (Stefan H., Michael, Michel und ich) dann aufbrechen.
In Shanghai sind wir dann, nach einem kleinen Frühstück, gleich weiter zu einer Shuttlebusstation und von dort aus nach Anting. So heißt der Vorort, in dem die Rennstrecke liegt. Dort angekommen haben wir erstmal festgestellt, dass unsere Plätze sehr weit auseinander liegen, so ziemlich an den gegenüberliegenden Seiten der Rennstrecke. Dummerweise bedeutete das für mich...einmal um den halben Kurs laufen und das bei der Hitze, die an dem Tag geherrscht hatte. Nach gefühlten zwei Stunden kam ich dann an meinem Eingangstor an und hab dort auch gleich die Freunde von Andre und Jana getroffen, die für den Samstag deren Karten benutzen durften.
Wir kamen genau rechtzeitig, denn das Qualifying hatte gerade begonnen. Wir kamen also auf die Tribüne und da wären mir fast die Ohren weggeflogen, als der erste F1 Bolide an unseren Plätzen vorbeidonnerte. Das ist ja so was von laut. Zum Glück hab ich mir schon vorher Ohrenstopfen gekauft, die ich auch gleich angewendet hatte. Damit hatte ich nicht gerechnet. Ohne Ohrenstöpsel ging auf der Tribüne gar nichts. Leider hat das auch die Kommunikation auf ein minimales Minimum beschränkt...Gestik und Mimik waren angesagt.
Nach dem ersten Eindruck der Formel1 Wagen haben wir dann mal die nähere Umgebung erkundet und uns die ganzen Sponsorenstände angeschaut. Alle großen Rennställe hatten selbstverständlich ihre Werbeflächen bekommen und man konnte einige neue Autos, Technikartikel und jede Menge Merchandiseartikel (zu überteuerten Preisen) bewundern oder erstehen. Eine riesige Schlange hatte sich vor einer großen Cola-Zero Flasche aus Pappe gebildet. Hier haben bestimmt über 100 Leute gewartet um mit dieser Flasche fotografiert zu werden. Man muss dazusagen, dass es sich ausschließlich um Chinesen handelte...ich werde sie nie verstehen, fürchte ich.
Nach dem letzten Qualifying und dem ersten Rennen der ehemaligen Formel 3 und dem Eintreffen von Thomas, der extra aus Beijing eingeflogen war, sind wir dann wieder nach Shanghai gefahren. Leider dachten sich das wohl auch alle anderen Leute und so haben wir für die Strecke, für die wir am Vormittag eine Stunde gebraucht hatten, am frühen Abend 2,5 Stunden. Danach konnten wir dann aber schließlich Jana und Andre abholen und mit ihnen zu einem guten Cantonesischen Restaurant fahren. Zum Abschluss sind wir noch in eine Cocktailbar gegangen, in der es einen sehr leckeren Chilicocktail gab. Dort haben wir uns dann getrennt, weil ich bei Jana und Andre untergekommen bin, der Rest aber ins Hotel musste. Auf der Dachterasse haben wir drei dann noch den Abend bei einer Flasche Wein ausklingen lassen und sind dann – ich zumindest – hundemuede ins Bett gefallen.
Am nächsten Tag sind wir drei dann erstmal schön frühstücken gegangen und haben uns dann gegen Mittag auf den Weg zur Rennstrecke gemacht. Der erwartete Stau kam erst später, als ich gedacht hatte, änderte aber nichts an der Tatsache, dass wir trotzdem nicht auf das Gelände gelassen worden sind. Das muss man sich mal vorstellen. Die haben superviele Parkplätze, lassen aber keinen dort parken. Wir haben dann einen Platz auf einem Seitenstreifen gefunden und mussten noch ca. 2 Kilometer zu Fuß laufen, um zur Strecke zu kommen. Endlich dort angekommen, wobei wir über leere Parkplatzareale gegangen sind, sind wir gleich zum Block und konnten uns dann das Highlight des Tages – wie sich später rausstellte – anschauen: den Porsche GT Cup. Hier hat es doch tatsächlich ein Fahrer geschafft sich zweimal bei uns in der Kurve zu verbremsen und einen schönen Dreher hinzulegen. Hat dafür auch viel Applaus bekommen.
Der restliche Tag verlief ziemlich ereignissarm, weil auf der Rennstrecke eigentlich nicht viel passierte. Und wir saßen extra in einer spitzen Kurve, in der Hoffnung, dass es mal knallt oder es mal Überholmanöver gibt, aber leider wurden wir derbe enttäuscht, denn es passierte einfach nix. Es war immer wieder laut, aber keine Spannung, keine Stimmung (Ohrstöpsel), kein Gar nichts. Lewis Hamilton hat das Rennen am Ende mit großem Vorsprung gewonnen. Nach dem Rennen haben Andre, Jana und ich uns beeilt, dass wir zum Auto kommen, denn nach der Erfahrung vom Tag zuvor hatte ich ein wenig Bammel, dass ich es nicht rechtzeitig zum Zug schaffen würde. Tja und dann saßen wir im Auto und konnten uns nicht bewegen. Taxifahrer haben in Hoffnung auf einen Fahrgast die ganze nahe gelegene Kreuzung blockiert und somit ging einfach mal gar nichts mehr. Ich hatte schon mit den Fahrern verhandelt, für wie viel Geld sie mich zum Bahnhof bringen würden, aber der Preis war einfach viel zu überteuert und so haben wir im Auto gewartet. Irgendwann hat sich die Polizei dann entschlossen die Tore zur Rennstrecke freizugeben und auf einmal waren die Taxis verschwunden und wir hatten freie Fahrt. Um den Stau zu entgehen sind wir eine andere Route gefahren – zum Glück arbeitet Andre in Anting und kannte sich aus – und knappe 45 Minuten später waren wir dann auch am Bahnhof und ich hatte sogar noch Zeit um noch was Essen zu gehen. Im Bahnhof bzw. im Zug habe ich dann auch die anderen wieder getroffen und so konnten wir vollzählig die Heimfahrt antreten.

Dienstag, 25. November 2008

2.5 Wohnen in China – Kinderkrankheiten

Jetzt geht das schon wieder los. Eigentlich klappte in meiner Wohnung alles sehr gut die letzten Monate und ich war echt zufrieden. Jetzt aber kommen die Kinderkrankheiten wieder. Zum Einen fängt der eine Ausguss wieder an fürchterlich zu stinken, was nicht an mir liegen kann, weil ich dieses Bad nicht benutze und was viel schlimmer ist, der Warmwasserboiler ist mal wieder kaputt. Jetzt muss ich erstmal wieder kalt duschen. Ich habe schon veranlasst, dass ein Mechaniker kam, aber der kann das passende Ersatzteil nicht auftreiben. So was ist ja in so einer Provinzstadt wie Nanjing (zur Erinnerung: 7 Mio. Einwohner) natürlich nicht vorrätig und muss erst bestellt werden. Jetzt nach über einer Woche und täglichem Gemecker von mir, hat der Landlord angeboten mich für die Zeit in eine Übergangswohnung einziehen zu lassen. Die soll ganz in der Nähe sein. Mal schauen, wie die so ist und ob der Landlord mich heute abholt.

1.4 Kaufkraftverlust

Wie trifft die Finanzkrise mich als kleinen Angestellten? Die Antwort lautet: über den Verlust der Kaufkraft.
Zur Erklärung. Mein Gehalt wird weiterhin in Euro bezahlt, da ich ja offiziell in Deutschland angestellt bin. Als ich hier nach China kam, war der Wechselkurs ungefähr bei 10.5 RMB für einen Euro. Mittlerweile hat sich das geändert. Der RMB ist faktisch an den US-Dollar gebunden (auch wenn die chinesischen Behörden das bestreiten) und da der Euro im Zuge der Finanzkrise gegenüber dem Dollar kräftig abgewertet wurde ist auch der Kurs von RMB zu Euro gefallen. Zurzeit steht er bei 8.6 RMB für einen Euro, was einen Verlust meiner Kaufkraft von knappen 20% bedeutet, welcher sich natürlich auch bemerkbar macht. So musste ich meine monatlichen Überweisungen auf meine Kreditkarte (kostenloses Abheben an ausländischen Geldautomaten) aufstocken, damit ich hier das gleiche Geld zur Verfügung habe.

Donnerstag, 13. November 2008

4.21 Unterwegs – Hongkong Teil 2 (08.10. - 11.10.2008)

Nach einer Woche in der Andrea und ich auf den Philippinen relaxt haben wollte sich Andrea noch einen weiteren Traum erfüllen – Hongkong. Nachdem wir um 5 Uhr aus dem Ressort auf Bohol aufgebrochen, pünktlich Fähre erreicht und viel zu früh am Flughafen angelangt sind und mit dem Flieger die Philippinen verlassen haben, landeten wir pünktlich in Hongkong. Angekommen haben wir uns gleich auf den Weg gemacht und in unserem Hotel eingecheckt – YMCA The Salisbury, nur ca. 150 Meter vom Anleger der Star Ferry entfernt auf Kowloon. Nach einigem Hickhack wegen des Zimmers (ehemaliges Raucherzimmer und kein Doppelbett) und der Einigung, dass wir am nächsten Tag umgezogen werden, sind wir aufgebrochen um unseren Sonnenbrand ein wenig Luft zu geben. Wir haben einen schönen Spaziergang entlang des Walk of Fame gemacht. Hier haben sich alle Unterhaltungsgrößen Chinas – ähnlich wie in LA – mit einem Stern, Handabdrücken und einer Unterschrift im Boden verewigt. Bruce Lee hat sogar eine Statue mit einem atemberaubenden Panorama bekommen. Direkt im Anschluss haben wir uns dann noch die Lasershow der Hochhäuser angesehen. Es war das erste Mal, dass ich das mit europäischer Musik untermalt gesehen habe und auf einmal hatten auch die ganzen Strahler und Muster auf den Häusern einen Sinn und ich konnte der Show folgen. Dea war auch total begeistert, wenn auch ein wenig übermüdet. Danach sind wir dann noch einem Tipp gefolgt und sind zu Fat Angelo’s zum Essen gegangen. Nach der Vorspeise waren wir eigentlich schon satt. Das Hauptgericht war dann eher nicht so der Kracher.
Der nächste Tag sollte dann gänzlich im Zeichen von Hongkong Island stehen. Er begann mit einer Fahrt mit der alten Star Ferry von Kowloon nach Hongkong Island. Es ist immer wieder toll zu sehen, dass die alte Technik immer noch reibungslos funktioniert und die Überfahrt ist viel beeindruckender als die Fahrt mit der U-Bahn, man schippert nämlich gemächlich auf die Skyline zu – klasse. Einmal auf der Insel, wollten wir natürlich gleich die Hauptattraktion sehen – den Peak mit einem grandiosen Ausblick auf den Victoria Harbor. Und den Peak erklimmt man natürlich standesgemäß mit der Peaktram, welche auch zu den historischen Beförderungsmitteln der Stadt gehört. Am Anfang denkt man sich, dass die Steigung ja gar nicht so schlimm ist, man wird aber bald einer besseren belehrt und heftig in die harten Holzbänke gedrückt, so steil wir die Strecke. In dem Moment weiß man dann auch, warum die Bänke nur mit Blick bergauf aufgestellt worden sind. Oben angekommen stürmten wir gleich zu dem Panoramaweg und machten eine Unzahl von Fotos. Man hat von hier auch einen grandiosen Ausblick.
Wieder unten angekommen sind wir ein wenig durch die Hochhausschluchten geschlendert und haben die längste überdachte Rolltreppe der Welt gesucht. Diese sollte in SoHo (South of Hollywood Street) stehen und wir haben sie auch gefunden. Die ganze Geschichte ist eine tolle Idee, denn um vom Uferbereich zu den so genannten Mid-Levels zu gelangen, muss man ganz ordentliche Steigungen meistern und mit der Rolltreppe (dem so genannten Mid-Level Escalator) geht es um ein vieles einfacher. Ein kleiner Nebeneffekt ist Dea und mir auch noch aufgefallen. Da die Rolltreppe oftmals erhöht gebaut worden ist, wurden die Fenster und Wohnungen in der zweiten Etage auf einmal begehrte Werbeflächen bzw. Geschäftsräume. Fast eine Subkultur in luftigen Höhen (wie bei The fifth Element). Da wir an diesem Tag schon zwei historische Gefährte benutz haben, wollten wir das Trio vervollständigen und sind noch mit der normalen Straßentram gefahren.
Zum Abendessen sind wir dann noch mal auf den Peak gefahren. Zum einen, weil wir noch mal die Lasershow von der anderen Seite aus sehen wollten, was aber sehr enttäuschend war und zum anderen, weil ich an diesem tag das bergfest meines China-Aufenthaltes, im Englischen Mountain Peak Achivement, gefeiert habe. Und das feiert mal dann auch am Besten auf dem Peak. Wir sind zu Bubba Gumps, einer Kette, die sich in Anlehnung an den Film ‚Forrest Gump’ gebildet hat und lecker Shrimps zubereitet. Leider nur in extrem sättigenden Portionen, so dass wir bei weitem nicht alles aufessen konnten. Auf jeden Fall ein sehr witziges Restaurant und überall sind Zitate aus dem Film.
Am nächsten Tag haben wir uns dann entschlossen mit den Rekorden weiterzumachen und haben uns auf den Weg nach Lantau gemacht. Hier kann man den größten sitzenden Bronzebuddha der Welt bewundern. Um dorthin zugelangen kann man mit einer Seilbahn fahren, die einen tollen Ausblick über den neuen Flughafen und die Outer Terretories bietet. An der Endstation der Seilbahn angekommen liefen wir dann durch ein ‚original chinesisches Mittelalterdorf’, was eher eine Tourifalle war. Nur eine Straße und auch nur Geschäfte, die irgendwelche Produkte zu horrenden Preisen angeboten haben. Am Ende standen wir dann vor dem Eingang zu dem Buddha, haben aber beschlossen nicht hineinzugehen, da man auch von unten schöne Fotos machen konnte. Mit der Seilbahn ging es dann wieder zurück und dann begann der eigentliche spannende Teil des Tages. Direkt an der Endstation ist ein großes Outletcenter mit jeder Menge bekannter Marken (ESPRIT, Adidas, Puma, Ed Hardy,…) und da haben wir dann den gesamten Nachmittag verbracht. Und sind mit vielen Tüten beladen wieder ins Hotel gekommen.
Zum Abendessen sind wir dann nach SoHo gefahren und haben uns einen netten Italiener gesucht, bei dem es anständige Pizza und guten Rotwein gab.
Tja und dann war auch schon wieder Samstag, der Tag, an dem wir wieder zurück nach Hause fliegen mussten, also Dea nach Deutschland und ich nach China. Wir haben die Flüge schon entsprechend getimed, so dass wir noch möglichst viel Zeit miteinander hatten. Damit wir diese auch genießen konnten, haben wir gleich morgens im City-Check-In des Flughafen eingecheckt und hatte somit genug Zeit noch ein wenig durch die belebten Straßen in Kowloon und diverse Shoppingcenter zu bummeln oder einfach nur da zu sitzen und den Hafen zu genießen. Aber auch diese Zeit vergeht meist schneller als gewünscht und so mussten wir uns bald leider wieder trennen. Bei dem, was wir in den letzten zwei Wochen alles Tolles erlebt hatten, bleiben zum Glück genug positive Gedanken und Gefühle um die nächsten 10 Wochen zu überbrücken, bis wir uns wieder – diesmal wieder in China – in Arme schließen können.
Dea, das war ein mal wieder ein einmaliger Urlaub mit dir. Vielen Dank!!!

7.10 China live – Uniformen/Salutieren


Manchmal könnte man es hier fast vergessen, aber China ist und bleibt ein kommunistisches Land. Ein Aspekt an dem man das ganz deutlich erkennen kann, sind die diversen Uniformen, mit denen die hiesigen offiziellen hier herumlaufen. Es sind so unübersichtlich viele, dass ich erst am Wochenende herausgefunden habe, welche davon jetzt die Polizeiuniformen sind. (Man muss dazu aber auch sagen, dass man nur gelegentlich einen Polizisten in einem Polizeiauto sieht. Meistens fahren Zivilisten damit.) Und da ansonsten fast alles in Uniformen herum läuft, kann man da schnell mal den Überblick verlieren.
So auch unsere Guards am Compoundeingang. Ich meine es ist ja nicht schlecht, dass man die dann ganz schnell erkennen kann, aber ich hätte nie erwartet, dass es auch bei denen Abstufungen gibt. Der Oberste von denen hat rote Schulterklappen und trägt die mit Stolz. Auf jeden Fall steht jeden Morgen einer von denen vor der Einfahrt auf einem Betonklotz und salutiert, wenn ein Auto vorbeifährt. Als wolle er sagen: „Zu Ihren Diensten, der Herr“. Das machen auch die Guards bei unserer Arbeit. Diejenigen, die das Gelände bewachen salutieren, diejenigen, die das Gebäude bewachen stehen Spalier.
Manchmal möchte auch eine Organisation Ihre Nähe zu den Bürgern dadurch ausdrücken, dass sie Plakate mit salutierenden Abgestellten (natürlich in Uniformen) herstellen und aufhängen lässt.
Irgendwie sind hier alle ganz wild auf militärischen Drill. Es ist ja weithin bekannt, dass chinesische Schüler vor dem Unterrichtsbeginn auf dem Sportplatz oder dem Pausenhof Aufstellung beziehen und dann ein paar Minuten gemeinsame Sportübungen machen. Aber dass so was auch bei Autohäusern gemacht wird, hatte mich überrascht. Da steht die ganze Belegschaft und macht – meist recht lustlos – die Bewegungen des Chefs oder seines Adjutanten nach. Danach wird noch motiviert und dann wird reihenweise abgetreten – eben wie beim Militär.
Auch wenn man über solche Sachen aus meiner Sicht nur den Kopf schütteln kann, es ist halt China – live.

Dienstag, 11. November 2008

10.4 Alltag – Fußball

Jetzt hab ich ein halbes Jahr durchgehalten, aber ich kann halt nicht ohne…ich muss einfach ein wenig kicken gehen. Zum Glück hat mir Stefan die Einladung zu seiner Firmenmannschaft weitergeleitet und ich durfte, obwohl Firmenfremder, mitspielen und es macht richtig Spaß. Nach dem ersten Mal konnte ich eine Woche nicht richtig laufen, so stark war der Muskelkater wegen der ungewohnten Bewegung. Ist halt doch was anderes als ins Fitnessstudio zu gehen. Leider wird es jetzt richtig kalt und das Trikot, was sie mir gegeben haben, ist kurzärmlig…brrrr. Aber egal, jetzt geht die Zeit der sinnvollen Bewegung wieder los und ich werde topfit aus dem Infojahr wieder zurückkommen.

Dienstag, 4. November 2008

1.3 Geburtstag

Am 30. Oktober war es mal wieder soweit: ich bin um ein Jahr gealtert und bewege mich somit schon etwas stärker auf die 30 zu. Und schon wieder war ich zu meinem Geburtstag im Ausland unterwegs, aber dieses Mal war es das erste Mal, dass ich de facto 31 Stunden Geburtstag hatte. Da ich ja der deutschen Zeit um sieben Stunden voraus bin, begann mein Geburtstag schon um 17 Uhr nach deutscher Zeit und zwar am Tag vorher und dauerte bis 24 Uhr deutscher Zeit...hat auch was. Auf jeden Fall bedeutete die Zeitverschiebung für mich, dass ich erst einen Tag später feiern gehen konnte. Mein Computer (ich telefoniere über Skype mit Deutschland und dem Rest der Welt) klingelte den ganzen Abend, worüber ich mich sehr gefreut habe. Den Anfang hatte Dea schon am morgen gemacht. Ich bin extra um 6 aufgestanden und konnte dann auch das Geschenk, das am Tag vorher noch rechtzeitig ankam, öffnen: Videobotschaften und ganz viele Fotos, die im letzten halben Jahr entstanden sind, zur Erinnerung an alle Leute in Deutschland und die gemeinsamen Reisen durch China und Bohol. Dicker Kuss!
Ich möchte mich auf diesem Weg schon mal pauschal bei allen bedanken, die an meinen Geburtstag gedacht haben. Ich werde mir Mühe geben alle Mails, SMS und Einträge auf meinVZ zu beantworten.
Am nächsten Tag – Freitag - habe ich dann zusammen mit Thomas, der sein letztes Wochenende in China feierte, alle meine hiesigen Freunde zu einem Teppanyakiessen eingeladen. Hier habe ich eine chinesische Version eines Geburtstagskuchens bekommen und noch zwei weitere Geschenke. Der Kuchen war eine große Überraschung und es hat mich gefreut, dass allen das Essen geschmeckt hat, weil Michael und Michel noch nie vorher Teppanyaki gemacht hatten. Danach sind wir noch in ein paar Diskos weiter gezogen. Da wir uns Diskos ausgesucht hatten, die hauptsächlich von Chinesen besucht werden, sind wir als Langnasen dort extrem aufgefallen und mussten mit ziemlich vielen Leuten gan bei trinken (dt.: Glas austrocknen; auf ex). Es wurde also ein billiger Abend (mal ab von dem Teppanyaki), der sehr viel Spaß gemacht hat.
Vielen Dank an alle, die dazu beigetragen haben, dass mein Geburtstag doch noch so toll geworden ist.

Montag, 3. November 2008

4.21 Unterwegs – Bohol (29.09.-08.10.1008)

Chinenese National Day stand an und das bedeutet, dass es hier in China eine Woche am Stück frei gibt. So konnte ich mit 5 Extraurlaubstagen zwei Wochen genießen. Diesen Umstand wollten Dea und ich unbedingt ausnutzen und haben unseren – man mag es kaum glauben – ersten richtigen Erholungsurlaub geplant – 8 Tage nach Bohol, einer Insel der Philippinen. Wir konnten natürlich nicht ganz gegen unser Naturell und haben noch drei Übernachtungen in Hongkong dazugebucht.
Nach einem durchgearbeiteten Wochenende brach ich am Montag in aller Herrgottsfrühe mit dem ersten Zug Richtung Shanghai um 06:13 auf, damit ich mich pünktlich vor 16 Uhr in Hongkong bin, um mit Dea gemeinsam in unser Weiterflugflugzeug zu steigen. Alles hat super geklappt und so konnte ich Dea im Flughafen von Hongkong in meine Arme schließen und weiter nach Cebu reisen.
Ab der Landung in Cebu begann unser gebuchtes Rund-um-Sorglos-Paket. Wir wurden vor dem Flughafen von einem Mitarbeiter vom Bituon-Beach Ressort, in dem wir gebucht hatten, abgeholt. Er hatte uns anhand des kleinen Clownfisches erkannt, der uns im Vorfeld als Erkennungsmarke geschickt worden war. Leider hatten wir konnten wir ihn nicht sofort unter den ganzen winkenden Taxifahrern erkennen, bis er schließlich Dea beim Vornamen ansprach. Mit ihm und dem Fahrer sind wir dann gleich einmal durch Cebu gefahren und wurden in einem 5-Sterne Hotel untergebracht. Das Hotel wirkte richtig nobel, so dass wir uns sofort wohl gefühlt hatten. Danach ging es dann zu „Mr.A’s“, einem Restaurant auf einem Hügel gelegen, von dem man die ganze Stadt bei Nacht überblicken konnte. Da das Essen schon vorbestellt worden war, wurde unser Tisch kurz nach dem Hinsetzen schon mit verschiedensten Gerichten vollgestellt. Unter anderem gab es auch eine Fischspezialität genannt Lapu Lapu, der sogar Dea geschmeckt hat, so lecker war der.
Am nächsten morgen ging es dann nach einer zwei-stündigen Fährfahrt wurden wir von Tagbilaran, der Hauptstadt der Insel Bohol, mit einem Van zum Bituon-Beach Ressort gefahren und sofort herzlich von den Angestellten in Empfang genommen. Das Ressort besteht aus 12 Gästebungalows, die alle mehr oder weniger Meerblick haben, einem kleinen Restaurant mit toller Terrasse, welches zweifellos der Mittel- und Treffpunkt im Ressort darstellt und einer Tauchbasis und liegt an einer Steilküste. In diese Steilküste wurde eine Treppe geschlagen, die zu einem Mini-Strand führte und 76 Stufen hatte (das merkt man sich, wenn man zum Tauchen möchte und beispielsweise die Tauchermaske oben vergessen hat).
Der Bungalow war toll hergerichtet, als wir eingezogen sind: überall waren Blumen verteilt und das Bett war mit einem „Welcome“-Schriftzug verziert. Leider wurde direkt nebenan ein weiterer Bungalow gebaut, so dass unser nicht wirklich ruhig war. Auf Nachfrage konnten wir dann am Freitag in ein anderes Haus an der Steilküste, von dem man auch noch einen wesentlich schöneren Ausblick hatte, umziehen. Jetzt hatten wir auch eine schöne Terrasse, auf der wir auch mal ein wenig würfeln konnten, wenn wir abends keine Lust mehr auf die anderen hatten.
Das Tolle an dem Ressort sind die Liegen, die überall verteilt sind und teilweise sehr versteckt liegen. Maximal zwei auf einmal an einem Platz und immer einen grandiosen Blick über die Bucht. An einer Stelle war ein Baum über der Liegen, um den abends die Glühwürmchen herumschwirrten und damit wie ein Weihnachtsbaum aussah.
Den ganz großen Unterschied zu anderen Ressorts machen aber die Angestellten aus. Im Bituon-Beach arbeiten knapp 65 Leute, die alle total freundlich sind und schon früh morgens ein Lachen auf den Lippen haben. Besonders süß waren die Mädels im Restaurant. Jeder Tisch hatte so eine Pagenklingel, wie man sie aus alten Filmen in Hotel kennt, und wenn man draufgehauen hat, kam erst ein vielstimmiges „yyyyeeeesssss“ und dann kam jemand aus der Küche gerannt und hat die Bestellung aufgenommen.
Es gab zu jeder Mahlzeit ein festes Essen, was aber ja nach Vorlieben des einzelnen vorbereitet worden ist. In der Küche gab es eine Tafel mit Anmerkungen wie: „Birgit – no garlic“ oder am Ende auch „Tobi – more salad“. Die Essen waren durch die Bank eigentlich sehr lecker, wenn auch am Ende ein wenig eintönig. Zwischendurch gab es auch Abwechslung, so wurden an einem Tag alle Tische zusammen geschoben und es gab Fondue und Raclette.
Wenn man die 76 Stufen nach unten gegangen ist, war man quasi direkt am „Strand“ mit dem wohltemperierten Wasser. Hier herrscht das ganze Jahr über eine Wassertemperatur von 29 bis 30 Grad und bietet somit eine optimale Voraussetzung für Korallen und die entsprechenden Fische dazu. Da ich im August den Tauchschein gemacht hatte, habe ich natürlich auch ein paar Tauchgänge gemacht und es war toll, wenn auch größere Fische gefehlt haben. Ca. 20 bis 30 Meter vom Einstieg entfernt gab es eine Riffkante, die bis zu 25 Meter tief ging. Hier tummelten sich alle möglichen Fische, die man bei uns nur aus Findet Nemo oder dem Aquarium kennt. Ich habe Barakudas, Steinfische, Feldermausfische,...gesehen und auch ein paar Wasserschnecken, die zwar ziemlich klein sind, aber die ungewöhnlichsten Farben haben.
Dea hat sich auch am Tauchen versucht, aber nach dem Schnuppertauchgang leider festgestellt, dass das nichts für sie ist. Sie hat dann das Schnorcheln gelernt und wir haben ein paar tolle Schnorcheltouren gemacht. Einmal hat uns ein Bekannter seine Unterwasserkamera geliehen und wir haben klasse Bilder gemacht und hatten jede Menge Spaß damit. So was werde ich mir auch noch mal zulegen.
So haben wir die Tage lesend, sonnenbadend und schnorchelnd bzw. tauchend verbracht und uns dabei kräftig erholt. Die durchgängigen 30 Grad haben ihr nötiges dazugetan.
Natürlich sind wir nicht die ganze Zeit faul in der Sonne gelegen, sondern haben auch ein paar Ausflüge gemacht. So haben wir uns einmal einer Gruppe angeschlossen und sind zum Markt in das nächstgelegene Städtchen gefahren. Hier haben wir ein paar T-Shirts eingekauft und uns über so manche „Spezialität“ gewundert (z.B. Fischstücke in einer braunen Masse, welche in Plastiktüten verkauft wurde und entsprechend roch – Ich könnte das nicht essen). Besonders spannend war die Fahrt mit einem Tuck Tuck. Ein Tuck Tuck ist eigentlich ein Motorrad mit Sozius und einem Dach darüber. Somit hatte zwar Dea auf dem Sozius ihren Platz gefunden, aber ich musste/durfte sehr zu der Belustigung der Einheimischen hinten auf dem Gepäckträger stehen. Das hat leider die Gewichtsverteilung nicht ganz optimal gestaltet, so dass wir zwischendurch auch mal mit einem Rad in der Luft hingen oder nur mit Mühe starten konnten. Auf jeden Fall ein Abenteuer.
Einen zweiten Ausflug haben wir auch noch gemacht. Diesmal ging es mit einem Van (leider kein Jeepney – einem zum Bus umgebauten und quitschbunt bemalten, amerikanischen Militärjeep) in Richtung der Chocolate Hills, wo ich unbedingt hin wollte. Unterwegs waren wir mit zwei weiteren Pärchen, sowie noch drei Angestellten des Ressorts. Zuerst ging es aber in die Richtung einer Kirche. Als die Spanier hier missionierten haben sie viele Kirchen gebaut, die teilweise eher an Festungen als an Gotteshäuser erinnern und noch immer sind die Menschen auf Bohol sehr gläubig. Diese Kirche war für die relative Armut auf dieser Insel sehr gut ausgestattet und größer, as ich es zuerst erwartet hatte. Die nächste Station war wiederum eine Kirche, aber hier war ein kleines Museum angeschlossen, welches wir besichtigen durften. Auf diesen Museumsbesuch folgte ein erstes Highlight dieses Ausfluges. Wir haben die kleinsten Primaten der Welt gesehen und durften sie sogar füttern. Die so genannten Tasier sind ungefähr faustgroß und haben für ihre Körpergröße ziemlich große Augen. Andrea war hin und weg von diesen süßen Äffchen.
In freudiger Erwartung der Chocolate Hills mussten wir abermals einen Rückschlag hinnehmen, denn bevor wir weiterfuhren gab es erstmal Mittagessen auf einem Floating Restaurant, also auf einem Schiff. Mit diesem Schiff sind wir über einen zugegebenermaßen sehr schönen Fluss, den Loboc River, gefahren und wurden nebenbei von zwei Livemusikanten unterhalten. Zwischendurch gesellten sich noch unsere beiden Begleiterinnen, Thomas und Dea zu ihnen und haben fleißig mitgesungen. Das Highlight dieser Floßtour war aber ein kleiner Steg, an dem uns einheimische Tänzerinnen die regionalen Tänze in Begleitung von Gitarrenmusik und Gesang vorgeführt haben.
Nach einem weitern Stopp in einer Schmetterlingsfarm und die Fahrt durch einen speziellen Wald, ich tippe auf tropischen Regenwald, haben wir dann endlich das Ziel unseres Ausflugs erreicht: die Chocolate Hills. Hier hatten wir nach der Besteigung eines Berges eine herrliche Aussicht auf die wie Eiskugeln geformten Hügel. Diese Hügel wurden in den letzten Jahrhunderten gänzlich abgeholzt und sind jetzt komplett mit Gras bewachsen, welches sich zur Trockenzeit bräunlich verfärbt und den Hügel dadurch ihren Namen gibt. Nach vielen Fotoaufnahmen und einer kleinen Shoppingtour haben wir dann glücklich die Heimfahrt angetreten. Hierbei sind uns die vielen Kinder aufgefallen, die hier leben und zur Schule gehen. Jedes Dorf hat mindestens eine eigene Schule und da gehen echt Massen von Kindern hin.
Wieder im Ressort angekommen gab es noch eine kleine Überraschung: Das Boot des Ressort, was bei einem Taifun schwer in Mitleidenschaft gezogen worden ist, war wieder betriebsbereit und am nächsten Tag (unserem letzten) sollte es zur Lunchtime ein BBQ am Strand geben. Dieses BBQ war wirklich klasse und Dea und ich konnte noch mal ein paar schöne Strandstunden einlegen. In der prallen Mittagssonne haben wir den Strand und das Hühnchen genossen, ich bin dann noch eine recht frustrierende Runde Schnorcheln gegangen und habe Beachvolleyball gespielt. So nebenbei haben wir uns von oben bis unten verbrannt. Aber das ganze war ein toller Abschluss unseres (Traum-)Urlaubes und wir konnten am nächsten Tag um 5 Uhr morgens aufbrechen, zu unserem nächsten Ziel: Hongkong

Samstag, 1. November 2008

7.9 China live – Smog

Gestern war es endlich soweit, der erste richtig Smog-Tag hier in Nanjing. Es fing morgens schon an, als ich aus der Tür ins Freie trat. Es stank nach Lagerfeuer und das nicht leicht. Es hing ein penetranter Geruch in der Luft und es war sehr diesig. Als ich dann von der Arbeit kam, konnte man schon keine 100 Meter mehr vorausschauen. Außerdem waren alle Autos, die schon eine Weile gestanden hatten, von einer leichten Staubschicht überzogen. Am Abend bin ich dann wider besseren Wissens zum Fußball gegangen und man konnte das gegnerische Tor nicht sehen, also war die Sicht schon auf unter 100 Meter gesunken. Ich bin danach noch einen Happen essen gegangen und auf dem Rückweg vom Restaurant nach Hause konnte ich schon die andere Straßenseite nicht mehr erkennen und die Augen haben angefangen zu tränen. Ich möchte nicht wissen, was ich gestern alles an Dreck eingeatmet habe. Das war echt heftig.
Heute Morgen war der Geruch immer noch da, allerdings nicht mehr so stark wie gestern und zum Glück hatte es über Nacht geregnet, so dass der Staub wieder gebunden war. Wenn das wieder vorkommt, werde ich mir einen Mundschutz zulegen müssen nur um zum Shuttlebus zu kommen. Ist das jetzt das reale China und ich bin bisher nur gut davon gekommen oder ist die Luftbelastung im Winter generell höher als im Sommer. China live mal anders.

8.2 Verkehr in China – U-Bahn

In vielen Städten in China wird mit Hochdruck an dem Bau von U-Bahnen gearbeitet um die von Autos verstopften Innenstädte zu entlasten. So wird zum Beispiel in Nanjing neben einer schon bestehenden Nord-Süd Achse gerade eine Ost-West Achse gebaut, welche planmäßig Ende des Jahres eröffnet werden soll. Dann gäbe es auch eine Haltestelle bei mir in der Strasse und man könnte sich die andauernden Taxikosten sparen (wobei das auch Jammern auf hohem Niveau ist, denn hier kostet eine Taxifahrt in die Innenstadt so um die 1.50 bis 2 Euro) und bessere Luft atmen.
Aber, wie ist es mit der U-Bahn zu fahren. In Nanjing soweit gar kein Problem. Anders sieht das in Shanghai aus, wo es ein gut ausgebautes Netz gibt und die Preise für Autokennzeichen schon fast höher als die Preise für die Autos selbst sind. Hier fahren Massen mit der U-Bahn, welche auf den Ansturm gar nicht ausgelegt ist. Es gibt an den Türen Gerangel und Geschubse, weil man hier die Leute nicht zuerst aussteigen lässt, sondern jeder versucht seinen Willen durchzudrücken, im wahrsten Sinne des Wortes. Es drängeln sich also gleichzeitig aussteigende und einsteigende Passagiere durch die engen Türen. Da kommt man mit der europäischen Ruhe und Selbstverständlichkeit nicht weit. Wer nicht selber schubst und drängelt und sich stattdessen lieber beschwert, dass er so nicht erzogen wurde, der kommt auch nicht raus aus der U-Bahn – stimmt's Thomas? :-). Ich habe einmal gesehen, wie eine Frau aussteigen wollte, aber sich kurz mit ihrer Tasche verhakt hatte. Bevor sie sich befreien und ihren Weg nach außen fortzusetzen konnte, da erfasste sie schon der Strom der einsteigenden Passagiere und drückte sie wieder weit in den Wagon hinein...von wegen chinesische Höflichkeit. Es wird zwar versucht durch auf dem Boden aufgemalte Linien die Leute dazu zu animieren das alle die, die aussteigen wollen in der Mitte durch die Tür gehen und die Einsteiger an den Außen, aber man kennt ja U-Bahntüren, da passen keine drei Menschen nebeneinander rein, auch wenn es Chinesen sind. In solchen Situationen, wenn man genügend Leute hat, macht es Spaß sich schon mal vorab mit drei Leuten an der Tür zu postieren die Tür zu blockieren und dann soweit es eben geht gemeinsam im Gleichschritt rauszumaschieren und die einsteigewilligen Leute einfach zur Seite zu schieben. Das Gute ist, dass die sich nicht trauen uns Europäer anzusprechen und sich zu beschweren, selbst wenn sie gerade mit dem Kopf gegen unsere Schulter gelaufen sind.

Donnerstag, 23. Oktober 2008

3.4 Essen in China – 2 ist besser als 4 und 0 ist besser als 2

“2 ist besser als 4 und 0 ist besser als 2”, diese Regel stellt eine wichtige Ernährungsregel in China dar. Je weniger, je besser. Aber von was? Die Antwort lautet Beine und stellt somit eine Rangfolge der beliebtesten Fleischsorten dar (Insekten und sonstiges Kriechtier mal ausgeschlossen).

Vierter Platz: Schweinefleisch, welches hier für Fettleibigkeit steht
Dritter Platz: Rindfleisch, welches für Stärke steht
Zweiter Platz: Hühnerfleisch, welches für Gesundheit steht
Erster Platz: Fisch, welcher für Langlebigkeit und Intelligenz steht

Man sieht also, je weniger Beine das Essen hat, desto toller wird das Leben.
Kritisch könnte man natürlich hinterfragen, warum China 50% der weltweiten Schweineproduktion verbraucht und Schweinefüße hier als Delikatesse gelten, muss man aber nicht.